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Angewandte Meinungsfreiheit

Nun ist Google Streetview in einigen Städten also gestartet. Die Verpixelnden-Bürger können sich jetzt live anschauen, wie dämlich ihre Wohnhäuser aussehen, die sie verpixeln lassen wollten. Die Stechen schon einige Zeit, bevor man das Haus überhaupt erreicht, deutlich aus den sonst recht homogenen Häuserzeilen hervor und rufen quasi: “Hier wohnt einer, der was zu verpixeln hat.”… Ob das im Sinne der Verpixler war? (Natürlich nur, wenn man nicht von dem Nicht-Verpixelt-Glitch betroffen ist)

Aber abgesehen vom absolut dämlichen Aussehen kommt mir da doch noch eine andere Frage. Wie ist das mit der Perspektive des Vermieters? Anscheinend durften ja auch Mieter die Häuser, in denen sie wohnen, verpixeln lassen. Der Grund dafür hat sich mir bis heute nicht erschlossen… Und jetzt betrachte man einmal folgendes Bild:

Ein verpixeltes Haus in Google Streetview

Welches Haus ist attraktiver?

Welches der drei Häuser ist für einen Mieter attraktiver, wenn er dieses Bild sieht? Angenommen du willst eine Wohnung mieten und findest per Zufall ähnliche Wohnungen zu ähnlichen Preisen in einem der unverpixelten Häuser links und rechts und eine Wohnung in dem verpixelten Haus in der Mitte. Fährst du dann extra hin um dir das verpixelte Haus in der Mitte auch noch anzugucken? Oder nimmst du nicht doch lieber einfach die Wohnung im unverpixelten Haus, weil du das ja schon angucken konntest? Ich würde ganz klar die Wohnung im unverpixelten Haus nehmen und ich denke die meisten “Netzbürger” würden ähnlich entscheiden.

Nun mal angenommen, es wäre tatsächlich so, dann würde damit ein verpixeltes Haus an Attraktivität verlieren. Da es sich um ein Objekt mit Mietwohnungen handelt, verliert es damit auch ganz automatisch an Wert, denn: Weniger Attraktivität bedeuten im schlechtesten Fall geringere Mieten oder Leerstand und damit einen geringeren Wert der Immobilie. Was ist nun, wenn man Vermieter eines solchen “digital verunstalteten” Hauses ist? Kann man herausfinden, welcher Mieter das Haus verpixelt hat? Kann man von dem Mieter Schadensersatz verlangen? Kann man das Haus einfach “entpixeln” lassen, wenn der Mieter ausgezogen ist? Was ist mit der Informationelle Selbstbestimmung des Vermieters oder von anderen Mietern? Denken wir einmal extrem: Was, wenn ein Mieter auszieht, weil das Haus verpixelt ist? Einige dieser Fragen habe ich auch schon im Sommer an Google und Frau Ilse Aigner geschickt, darauf aber leider keine Antwort erhalten (Bzw. von Google die Standardantwort, dass man sich um meine Beschwerde kümmern wird).

Gerade der Aspekt, dass auch Mieter “ihr” Haus verpixeln lassen können und die daraus folgenden Konsequenzen, erscheint mir bei dem Google Streetview Medienrummel überhaupt nicht durchdacht worden…


Der Innenminister Niedersachsens, Schünemann, droht “islamistischen Gefährdern” mit Computerverbot. Dabei stellt sich einem nicht nur die Frage, wie man jetzt “islamistische Gefährder” ausreichend sicher erkennt, außer vielleicht durch Gentests (aber die darf man ja leider auch immer noch nicht flächendeckend durchführen). Nein, die Frage ist viel mehr, warum man die “islamistischen Gefährder” nicht direkt aus dem Verkehr zieht. So ein Quatsch, warum sollte man denen nur Kommunikationsmöglichkeiten einschränken? Was hat man davon? Nein, beide Hände müssen ab, damit der Bombengürtel nicht mehr zu gemacht werden kann. Das reduziert die Gefahr von Anschlägen doch viel Effektiver. Wir befinden uns immerhin in einer akuten Bedrohungslage, da kann man auf solche idealistischen Ideen wie “Menschenrechte” und andere Ideen der eh nur poppenden Blumenkinder keine Rücksicht mehr nehmen. Am besten sperrt man die eh gleich mit weg. Vor 40 Jahren mag FlowerPower ja noch witzig gewesen sein, aber die Hampelmänner und -frauen kann sich doch heute keiner mehr ansehen.

Ich denke den Namen “Schünemann” sollten sich vernünftige Leute merken, wenn sie es in der Zensur-Ursula-Debatte nicht eh schon getan haben. Da kann man nur hoffen, dass die “breite Unterstützung”, die er erwartet, den gleichen merkwürdigen Hirnwindungen entspringt und einfach ausbleibt.


Die aktuelle griechische Regierung hat gezwungener Maßen einige harte Reformen gewagt. Diese Reformen haben einige harte Einschnitte für die Bevölkerung zur Folge und haben außerdem dafür gesorgt, dass die Wirtschaftsleistung des Landes in ungeahnte tiefen absteigt (wie es viele Wirtschaftsleute befürchtet haben).

Und jetzt das… Jetzt hat diese Regierung, die “verantwortliche Partei” doch glatt bei den Komunalwahlen durchaus einige Erfolge verbuchen können. Warum? Wie kann das passieren? Vielleicht liegt es daran, dass dieses Regierung einmal etwas tut? Gemessen an den Protesten sind längst nicht alle Menschen in Griechenland von den Reformen überzeugt und es liegt nahe, dass auch viele der Sozialisten-Wähler von den Reformen betroffen waren. Trotzdem haben sie “die” auch noch gewählt. Gibt es doch einen Teil der Bevölkerung, der über kurzfristige persönliche Vor- und Nachteile hinaus denkt und für das langfristige Wohl seines Heimatlandes auch einmal den Gürtel enger schnallt?

Meiner Meinung nach sollte dies eine Botschaft an die Politik sein, vor allem auch die Deutsche, Reformen, die auf einem schlüssigen Konzept basieren und ein langfristiges Ziel haben, ruhig mutig voran zu treiben. Selbst, wenn es kurzfristig zu lautem Protest kommt, versteht doch ein guter Teil der Bevölkerung, dass man ein richtiges Ziel verfolgt. Das Problem der aktuellen Regierung ist natürlich dabei, dass kein Ziel erkennbar ist und man möglicherweise auch selber nicht so genau weiß, wo man denn hin will… das wäre natürlich noch ein Manko, das man vor den nächsten Reformideen ausräumen sollte. Dann klappt’s auch mit dem Wähler. ;)


Ein Vorfall bei der Gothaer Versichung erweckte diesmal meine Aufmerksamkeit. In einem sehr nett geschriebenen Artikel auf ftd.de wird die ganze Geschichte dargelegt. Es geht um einen Retner, der von einem Auto angefahren wurde. Die Versicherung des Unfallfahrers hat die medizinischen Kosten bisher übernommen. Es gibt aber auch einen Anspruch, wenn das Verkehrsopfer keine Hausarbeit mehr durchführen kann. Da der Rentner immer noch unter seinen schweren Verletzungen leidet und so tatsächlich keine Hausarbeit durchführen kann, wollte er diesen Anspruch geltend machen, soweit so klar.

Der Anspruch wurde allerdings von einer Mitarbeiterin der Gothaer Versicherung abgelehnt, mit der Begründung, dass der Rentner Moslem ist und nach dem patriarchalen, traditionellen Mannesbild der muslimischen Ehe der Mann eh nicht im Haushalt mit hilft. Die einzig richtige Entgegnung darauf kann eigentlich nur sein: “Nach dem patriarchalen, traditionellen Christlichen Frauenbild darf eine Frau überhaupt nicht arbeiten, sondern hat sich um den Haushalt und das Kinderkriegen zu kümmen. Folglich arbeitest du überhaupt nicht bei der Versicherung, also muss ich nicht mit dir reden, ich möchte mit einem echten Sachbearbeiter reden.” Selbst, wenn die Behauptung über ein ihre fremdes Weltbild so richtig wäre, wäre es immer noch albern sie als Begründung anzuführen. Denn nur, weil irgendwelche Religionen komische Weltbilder haben, heißt es noch lange nicht, dass alle Anhänger der Religion diese auch genau so teilen. Gerade als Christ sollte man da sehr vorsichtig sein. Die Einstellung der Kirche, gerade der katholischen, zu verschiedensten Dingen ist von außen betrachtet schon fast pervers zu nennen.


Nun, es ist wohl so weit. Der Atomausstieg ist Geschichte, er wurde in einem ziemlich plötzlichen Kompromiss mitten in der Nacht gekippt. Auch wenn es weiterhin diverse Probleme gibt, wie z.B. die Frage, wohin mit den 4.400 zusätzlichen Tonnen Atommüll, dass der Staat für die Entsorgung des Mülls wahrscheinlich mehr zahlt, als durch die längeren Laufzeiten verdient, oder Verfassungsrechtlicher Bedenken gegen den Kompromiss, sollte man nun nach vorne schauen.

Denn, egal, was mit der Atomkraft nun geschieht, oder nicht, sie ist eine Technologie der Vergangenheit. Die Politik mag das noch nicht wahrhaben wollen, aber, wenn man Umfragen glaubt, weiß die Mehrheit der Deutschen das schon und lehnt die Atomenergie, auch wegen der vielen ungelösten Problem, ab. Nun, was liegt da nahe, als den Atomausstieg selber aktiv voran zu treiben? Nein, ich möchte niemanden dazu auffordern Atomkraftwerke niederzureißen. Das ist ungesetzlich. ;) Auch die Idee sich mit Klagen gegen Atomkraftwerke zu wehren, wie Greenpeace es tut finde ich nur wenig verführerisch. Nein, man muss die Konzerne da treffen, wo es weh tut. Wir sind die Kunden der Stromkonzerne. Wenn wir keinen Atomstrom kaufen, dann bleiben die Atomkraftwerke auch nicht lange am Netz. Daher schließe ich mich der Aufforderung meines Stromanbieters “Naturstrom” an: “Jetzt ist es Zeit zu handeln”. Meine Aufforderung an alle Leser, die sich mit Atomenergie nicht so recht identifizieren können und lieber den technologischen Fortschritt durch erneuerbare Energien vorantreiben wollen: Guckt euch die Angebote der Ökoanbieter an. Ich habe den Preis von Naturstrom mit meinem regionalen Stromanbieter verglichen und lege pro Kilowattstunde Strom im Moment 0,37 cent drauf, Tendenz fallend. Umgerechnet auf das ganze Jahr kommen da zwar schon ein paar Euro zusammen (insbesondere, weil ich einen recht hohen Stromverbrauch habe), aber das ist es mir Wert durch “den freien Markt” die Atomkraftwerke abzuschaffen und durch erneuerbare Energie zu ersetzen.

Also: Jetzt wechseln. Es muss nicht Naturstrom sein, es gibt auch andere Anbieter, aber sagt euch los von Eon, RWE, Vattenfall und EnBW. Nutzt die freie Marktwirtschaft und die Liberalisierung der Stromnetze um den Atomausstieg auf finanziellem Weg herbeizuführen!


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