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Das Erste und die Quoten…

„Das Erste“ hat diese Tage einmal wieder deutlich gemacht, dass alles Gejammer der „bösen, geldgierigen Privaten“ über Wettbewerbsverzerrungen einfach nur zu 100% wahr ist. Warum?

Naja, „Das Erste“ hat wohl gemerkt, dass ihre originäre Zielgruppe gerade ausstirbt und man, wenn man ein paar 14-49 Jährige zum zugucken verlocken könnte doch noch die Werbeeinnahmen ein bisschen puschen könnte. Die 18€ im Monat kriegt man von denen ja sowieso… warum dann nicht auch mal eine Sendung die passend ist ins Programm nehmen. Also zeigte man Cukoo. Leider waren aber die Quoten schlecht, so hat man das ganze nach einer, ja genau, EINER, Folge wieder abgeblasen.

Da fragt man sich jetzt als 18€ zahlender Nicht-Kunde schon, warum jetzt die Quoten so wichtig sind. Insbesondere so wichtig, dass man dem ganzen Vorhaben ein jüngeres Publikum anzusprechen nach jahrzehntelanger Vernachlässigung desselben nicht eine etwas längere Anlaufzeit einräumt als nur eine Folge. Offensichtlich sind aber die Werbeeinnahmen so Kriegsentscheidend für den Vorstand, dass man sich das nicht leisten kann. (Von der Diskussion um ein vollständiges Werbeverbot weiß man natürlich, dass das nicht stimmt, da sie ~500 Millionen € in die Kasse spülen wohingegen die Gebühren ~8 Milliarden €, also 8000 Millionen € ausmachen, auf alle ÖR gesehen natürlich).

Sehr traurig… so eine extreme Quotenfixiertheit hat bisher nicht einmal ProSieben an den Tag gelegt. Selbst da gibt man Serien 3-4 Folgen Zeit um sie dann abzusetzen und auf den „Spartenkanälen“ verschwinden zu lassen.1 Bei 8 Milliarden € Umsatz im Jahr könnte auch locker ein deutsche HBO bei rumkommen (das Original hat einen Umsatz von 440 Millionen Dollar). Und was ist das Erfolgsrezept von HBO, mag man fragen? Mut. Den Mut große Produktionen zu starten und diese auch trotz schlechter Quoten laufen zu lassen.

Ist das ganze traurig… 🙁

 

Fußnoten:

  1. Das ist ganz klar ein Argument mehr die ÖR völlig einzudampfen, ein Nachrichtensender mit Lokalfenstern. Das sollte für einen zweistelligen Millionenbetrag locker hinzubekommen sein. Damit wäre man dann bei ~ 1-3 € GEZ Gebühr pro Jahr und Haushalt. Die Restlichen ~210€, die dann an GEZ Gebühren in den Haushalten „frei werden“ könnten diese dann in ein entsprechendes PayTV Abo invetieren, was sie interessiert… den Musikantenstadl gibt es z.B. bei Sky schon ausreichend. Den Tatort wird auch irgendein anderer Sender gerne übernehmen (wobei es auch da vergleichbares schon gibt). []

FDP… und tschüss Liberalismus?

Als die Piraten Partei auf kam hab ich öfter gesagt ich hätte nichts dagegen, wenn die Piraten Partei die FDP ersetzt. Warum? Weil sich die Piraten Partei originären liberalen Themen wie Menschenrechten und „wehren gegen unnötige Gängelung vom Staat“ auf die Fahne geschrieben hatte. Solche Themen hat die FDP in den letzten 20 Jahren (und länger) nur in Wahlkämpfen besetzt und dann nie durchgezogen.

Ich war auch immer davon ausgegangen, dass der Fall der FDP hauptsächlich damit zu tun hat, dass sie eben ihr“liberales Profil“ einfach umgewandelt haben in ein „wirtschaftsliberales“ Profil, was mit Liberalismus nicht mehr viel zu tun hatte. Im Grunde war die Idee grobe Position, spätestens bei Koalitionsverhandlungen, ja: „uns ist egal, was ihr mit den Bürgern macht, Hauptsache ihr fasst die Unternehmen nicht an und erleichtert ihnen alles, was sie gerade wollen“. Offensichtlich war das ein fataler Irrtum meiner Seits. Wenn man sich anguckt, dass die FDP gerade durch die AfD ersetzt wird, war der Umschwenk offensichtlich bei weitem nicht radikal genug.

Den mit der AfD haben wir jetzt eine Partei, die sich noch viel radikaler „wirtschaftsliberal“ positioniert, im oben angedeuteten Sinne. Gleichzeitig gehen ihr offensichtlich Menschenrechte völlig am Arsch vorbei. Da wird von einigen Mitgliedern offen gefordert bestimmte menschenrechtliche Errungenschaften für manche Bevölkerungsgruppen (Homosexuelle, Ausländer, Moslems) einfach abzuschaffen.

Das hätte ich mir auch in meinen wildesten Alpträumen kaum vorstellen können, muss ich sagen. Aber damit ist natürlich auch sofort klar, warum es die Piraten nie haben schaffen können1.

 

Fußnoten:

  1. Ganz abgesehen davon, dass sie es auch nicht wirklich versucht haben, anders kann man die andauernden internen Querelen wohl nicht deuten. []

Dirk Niebels Abschiedsgeschenk

Dirk Niebel war ja nie ein sehr fähiger Politiker… ich würde ihn eher als einen der größeren Sargnägel der FDP bezeichnen wollen. Vielleicht nicht mit bei den prominentesten, aber verlässlich dabei zu versagen. Leider war ja die FDP an der letzten Regierung beteiligt. An alle, die gedacht haben, das macht nichts, die können ja höchstens hier was kaputt machen und dann räumen wir das wieder auf: Leider weit gefehlt. Dirk Niebel hat uns, sich und seinen Nachkommen1 ein Abschiedsgeschenk von globaler Größe hinterlassen: Die Zerstörung eines wichtigen Nationalparks in Ecuador für die Suche nach Öl. Ein Präzedenzfall, so zu sagen.

Die Leute in Ecuador hätten gerne ihre Natur behalten, aber, da sie aber auch von irgendetwas leben wollen, wollten sie einen Deal machen. Sie fördern das Öl in diesem wunderschönen Fleck Erde nicht, was dadurch nachhaltig zerstört werden würde2, wollen dafür aber die Hälfte des „Verdienstausfalls“. Dabei waren sie noch fair und sind vom heutigen Ölpreis ausgegangen, der ja durchaus noch steigen wird, da Öl ja nicht nachwächst. Das wäre eine elegante Lösung für den Klimawandel3 und eine faire Lastenverteilung gewesen. Immerhin befeuern wir den Klimawandel schon mehr als ein Jahrhundert, während Ecuador da im Vergleich noch nicht so viel beigesteuert hat.

Dirk Niebel hat die deutsche Beteiligung daran gestoppt, die als symbolisch für weitere Nachzügler angesehen wurde. So als Klimaschutzvorkämpfer und Weltretter4. Am schönsten ist die Begründung: Er wollte keinen Präzedenzfall schaffen5. Das heißt auf gut Deutsch: Er weiß, dass wir schuldig sind und eigentlich was auf den Tisch legen sollten, will aber, dass keiner das Recht dazu hat was zu verlangen. Super. Gut, dass dieser Typ mit seiner Versagerpartei in der Versenkung verschwunden ist. Jetzt bräuchten wir nur noch eine echte liberale Partei, die sich in erster Linie um Bürgerrechte kümmert, statt diese im Zweifel zu verkaufen.

 

 

Fußnoten:

  1. So er denn welche haben sollte, bei der Kurzsichtigkeit kann man sich das eigentlich nicht vorstellen []
  2. Das ist leider so. Öl ist fieses Zeug. Und beim Fördern schlabbern die Unternehmen da ganz schön viel mit rum. Da hat man sehr viel tote Erde, wenn die mal fertig sind. []
  3. Denn es gibt ja noch einiges Öl was nicht gefördert wurde und der Konsens in der Wissenschaft ist, dass man den Klimawandel am besten abschwächen kann, wenn man das meiste von dem Öl da lässt, wo es ist und gar nicht erst fördert, es also auch nicht verbrennt. Deshalb starten die Ölfirmen ja so viele Kampagnen, die haben ja für Milliarden die Förderrechte für das Öl erstanden, die mit solchen Plänen wertlos würden []
  4. Was aber ja mit Merkel an der Spitze von Deutschland eh nicht mehr so wichtig ist. []
  5. Was er aber de facto doch getan hat, halt nur „anders rum“ []