Kategorie-Archiv: Weltgeschehen

Kommentare zum allgemeinen Weltgeschehen

Geld auf dem Bankkonto = Kredit an die Bank

Wer sich schon immer mal gefragt hat, wie das mit der “Geldschöpfung” (also dem “in Umlauf bringen von neuem, auch virtuellem, Geld”) wirklich funktioniert und warum das “eigene” Geld auf dem Bankkonto ein Kredit an die Bank ist, den diese im Falle einer Pleite nicht zurück zahlen kann, dem sei der folgende Artikel bei Telepolis empfohlen: Endstation Zypern.

Denn es ist eben keinesfalls so, dass der Staat entscheidet, wann es wie viel neues Geld gibt und auch nicht so, dass die Bank das Geld der Kunden nur verwalten würde. Sehr spannend. :)

Eigentlich sollte es einem aber schonmal gedämmert haben, denn man bekommt ja für das Geld, was man bei der Bank hinterlegt auch Zinsen. Und wie wir in der “Staatsschuldenkrise” ja gelernt haben, ist die Höhe der Zinsen ein Indikator für das Risiko dem man sein Geld ausliefert. Insofern macht es ganz klar Sinn, dass jedes verzinstes Bankkonto eine mit Risiko behaftete Geldanlage sein muss.

Polizei als Abbild der Gesellschaft

Soso… da wäre es fast passiert. Ein militanter Salafist in der Polizei. Gut, dass Pro NRW Frontmann Markus Breivick ääähh… Beisicht den zum Attentatversuch provozieren konnte, so dass das aufgeflogen ist. Oder so. Andererseits… Wo ist das Problem, dass “so jemand” zur Polizei will? Die Polizisten, die dem Ku-Klux-Klan beigetreten waren, sind ja offensichtlich auch immer noch im Dienst, ohne nennenswerte Repressionen fürchten zu müssen. Und soll nicht die Polizei ein Abbild der Gesellschaft sein? Da wären neben den ganzen aufrechten deutschen Rechten und latenten Rassisten doch auch ein paar Rechte aus anderen Kulturkreisen angebracht (immerhin wollen ja Pro NRW und Salafisten beide vor “Überfremdung” schützen und den eigenen Splitter der Gesellschaft für den großen Kulturkrieg wappnen…).

Interessante Schlagzeilen jedenfalls. Bei PI & Pro NRW (oder was sonst noch) Knallen denn auch gerade die Sektkorken. Das hätten die sich selber nicht besser ausdenken können…

PS: Wer jetzt meint, militante Salafisten, die Menschenleben bedrohen und Pro NRW oder PI wäre doch irgendwie ne andere Stufe, der sollte mal hier lesen. Das die (noch) keine Gewalttaten organisieren halte ich für reine PR. Ziel ist doch ganz klar flächendeckende Vernichtung aller Andersdenkenden.

Philipp Rösler und Bildung

In einem Interview mit Zeit Online gab Philipp Rösler auf die Frage “Ist Deutschland ein ungerechtes Land?” folgende Antwort:

Rösler: Nein. Nehmen Sie unser Bildungs- und Ausbildungssystem, das ist viel besser, als es oft dargestellt wird. Auch im Vergleich zu jenen Ländern, die bei Pisa-Studien so gut abschneiden wie etwa Finnland. Dort gibt es ein vorbildliches Schulsystem, eine hervorragende Lehrerausbildung – aber anschließend ist die Jugendarbeitslosigkeit im Vergleich zu Deutschland mehr als doppelt so hoch. Darüber redet niemand. Objektiv betrachtet, ist Deutschland nicht ungerecht, das ist rot-grünes Wahlkampfgerede.

Also, was er sagt, ist im Prinzip, dass es in Deutschland viel fairer ist, da wir den Unterschichten-Kindern schon in der Schule sagen, wo sie hingehören…? Klar, wer sich bei so viel staatlicher Fürsorge schon früh für eine kriminelle Karriere entscheidet, beantragt dann auch später kein HarzIV und belastet die Statistiken nicht. ;) Unglaublich fair das System.

Der Rest ist übrigens auch lesenswert. Vor allem, wie er darum herum rudert, dass die FDP unbedingt mit einer CDU koalieren will, die allen liberalen Ideen (außer vielleicht dem Wirtschaftliberalismus) entgegen steht… putzig. :)

Amazon…

Im Moment ist ja Amazon-Bashing voll inn. Öffentlich werden da Amazon Konten “gekündigt” und versprochen bei “dem Laden” nie wieder einzukaufen. Von “moderner Sklaverei” wird gesprochen…

Abgesehen davon, dass man nicht immer alles glauben sollte, was im TV zum Skandal gemacht wird, muss ich sagen, dass der Amazon Boykott mir zu kurz geht… Ich persönlich werde Amazon auch nicht boykottieren. Was ist mit den Leiharbeitern, die in nicht so populären Firmen eingesetzt werden und daher keinen Skandalbeitrag wert sind?

In einer Gemeinde bei Bonn gibt es einen Obstbauern, der sogar einen alten Schulbus angeschafft hat um bei der Erdbeerernt die Polen herum karren zu können. Wie leben die? Was verdienen die? Was verdienen Leiharbeiter bei anderen Firmen? Oder in anderen Lagerhäusern, die ja nun doch überall benötigt werden?

Wir haben in den letzten Jahren in Deutschland einen billig Lohnsektor geschaffen, den wir so vorher nicht hatten. Und dank der Weigerung einen Mindestlohn für alle einzuführen, ist halt gerade bei Dingen, wo keiner hinguckt, alles möglich. Heute ist es Amazon, morgen ein anderes dickes Unternehmen… aber ändern wird sich erst etwas, wenn die Politik einschreitet. Uns sollte es schon zu denken geben, dass selbst die USA und gar die Polen einen Mindestlohn haben. Die Debatte hierzulande muss für Außenstehende ähnlich wirken, wie für uns die Debatte in den USA über die Krankenversicherung. Interessanterweise werden auch ähnliche Argumente von den Gegnern angeführt (im Stil von “direkter Weg in den Kommunismus”).

Für die Politiker sind diese mediengenerierten Skandale über Großunternehmen allerdings sehr angenehm… die sind so schön schnell vorbei und vergessen, dass kein Politiker einen Handlungsbedarf sieht. Gleichzeitig kann man sich mit wenig wirksamen öffentlichen Unmutsäußerungen und Scheinaktionen, wie das eigene Konto löschen auch noch etwas profilieren und von dem Ganzen profitieren. Bei der nächsten Mindestlohndebatte ist man dann aber doch wieder gegen den Einzug des Kommunismus. Insofern hat der Verdi-Gewerkschaftssekretär Heiner Reimann recht, wenn er sagt er werde sein Konto nicht kündigen, sondern weist auf seine Petition bei change.org hin. Leider richtet auch diese Petition sich nur an Amazon und nicht die Probleme von Arbeitern ohne Mindestlohn im ganzen.

Waffengesetze zum Schutz? Warum dann den Mörder anklagen?

Sturmgewehr - Quelle http://www.flickr.com/photos/simonov/363825536/

In den USA legal zu erwerben, zur Verteidigung. Bildquelle: http://www.flickr.com/photos/simonov/363825536/

In den USA hat ein Amokläufer zwölf Menschen erschossen und einige mehr verletzt. Nun kocht die Diskussion auf über schärfere Waffengesetze, nachdem Obama den sehr zaghaften und vorsichtig formulierten Vorschlag gemacht hat, doch wenigstens die automatischen Sturmgewehre zu verbieten. Interessanterweise sind, laut Medienberichten, weiterhin drei von vier Amerikanern gegen schärfere Waffengesetze. Das Argument für die jetzigen Gesetze ist das Recht auf Selbstverteidigung. Eben im Radio hörte ich die Aussage: “Der Amokläufer wäre überhaupt nicht soweit gekommen, wenn die Menschen im  Kino alle bewaffnet gewesen wären.”, auch in einer Diskussion zu einem Bericht der Tagesschau gab es eine solche Äußerung.

Abgesehen von den offensichtlichen Schwachpunkten in dieser Logik (z.B.: wenn alle bis an die Zähne bewaffnet rumlaufen, woran erkennt man dann noch Amokläufer? Wenn man sie nicht erkennt, wie soll man sie, auch mit Waffen, aufhalten?) kommt dabei direkt die nächste Frage auf: Warum wird nach dieser Tat der Amokläufer verklagt? Waren nicht vielmehr die Menschen in dem Kino einfach leichtsinnig ohne ihre Wumme auf die Straße zu gehen? Warum gibt es keine Forderungen an die Überlebenden, die ja, offensichtlich, alle Möglichkeiten gehabt hätten den Täter aufzuhalten, es aber nicht getan haben. Ist das dann nicht unterlassene Hilfeleistung?