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Kommentare zum allgemeinen Weltgeschehen

Grunbuchauszug-anfordern.info – Ein Erfahrungsbericht

Es gibt eine Seite im Netz, „Grundbuchauszug-anfordern.info“, die behauptet, die darauf verkaufte Dienstleistung würde einem bei der Beantragung eines Grundbuchauszugs helfen. In diesem Artikel werde ich mich etwas genauer damit auseinandersetzen. Das TLDR: Bloß nicht kaufen, die Grundbuchämter bieten besseren Service kostenlos an.

Ablauf der Bestellung

Wenn man bei Grundbuchauszug-anfordern.info bestellt, wird einem zuerst das Geld abverlangt, natürlich zusammen mit der Bestätigung, dass man auf jegliches Widerrufsrecht verzichtet1. Daraufhin erhält man eine E-Mail mit angehängtem PDF Formular (das PDF ist nicht einmal am PC ausfüllbar). Dieses soll man dann drucken, ausfüllen, scannen und per E-Mail zurück senden. Macht man das alles, passiert nichts weiter. Angeblich arbeitet dann das Amt (es gibt mittlerweile viele Berichte darüber, dass überhaupt kein Auszug bei einem ankommt).

Die Behauptungen von Grundbuchauszug-anfordern.info im einzelnen

Screenshot der Webseite aus Dezember 2018
  • „online“ – eigentlich soll alles online und schnell gehen. Drucken, ausfüllen und scannen sind aber sicherlich weder online noch besonders schnell. Das ist eher, was man mit einem solchen Service vermeiden möchte. Ob der Empfang und Versand von E-Mail jetzt klassisch als „online“ zu verstehen ist, halte ich zumindest für fragwürdig.
  • „Ersparen Sie Sich Zeit & Stress“ – wenn man das Formular nicht scannen würde, sondern selber per Post oder Fax zum Grundbuch schicken, würde man sich das Scannen und die E-Mail sparen. Insofern entsteht bei dem Vorgehen hier eher noch mehr Arbeit, als weniger.
  • „ohne Wartezeiten auf dem Amt“ – hier wird suggeriert, dass man sich in irgendeine Schlange stellen müsste. Das ist aber definitiv nicht der Fall. Siehe nächsten Abschnitt.
  • „von Zuhause“ – diese Versprechung ist nur unter der Bedingung richtig, dass man zu Hause auch einen Drucker und Scanner stehen hat. Das ist sicherlich nicht in allen Haushalten der Fall und wird auch nirgendwo auf der Seite erwähnt.
  • „dauert nur wenige Minuten“ – zwischen der Zusendung des Antrags per E-Mail und der Bestätigung, dass dieser nun an das Grundbuchamt ging lagen bei meinem Versuch immerhin zwei Tage.
  • „Einfacher geht es nicht“ – doch, zumindest in Bonn, siehe nächsten Abschnitt

Leistungen des Grundbuchamts in Bonn

Die Seite „Grundbuchauszug-anfordern.info“ suggeriert dem unaufmerksamen Leser (also Allen, die das Kleingedruckte nicht genau studieren), dass man hier ein Online-Formular bekäme, dass man mal eben schnell ausfüllen könnte und dann fertig ist. Außerdem wird suggeriert, dass man ansonsten ewig auf irgendeinem Amt warten müsste, weil man persönlich vorsprechen muss. Und auch der Preis ist natürlich so gewählt, dass dem unaufmerksamen Leser suggeriert wird, dass die (max.) 20€ Gebühren des Grundbuches da schon enthalten sind und nur 4,80€ für den Service aufgeschlagen werden.

Aber wie sieht es dann nun aus, auf dem Grundbuchamt? Ehrlich gesagt: Keine Ahnung. Weil man da, anders als „Gurndbuchauszug-anfordern.info“ suggeriert, gar nicht selber hin muss. Nein, wie oben schon erwähnt, kann man selber ein Formular herunter laden und es per Post oder Fax an das Grundbuchamt schicken, in Bonn gibt es das Formular hier. Es geht aber noch besser. Das Grundbuchamt bietet selber ein Online-Formular für die Beantragung eines Grundbuchauszuges an. Dieses findet sich hier. Am Ende muss man auch hier Drucken und per Post senden, aber das Formular ist schon fertig ausgefüllt. Alle Services des Grundbuchamtes in Bonn sind auch noch einmal hier aufgelistet.

Digistore24?

Exemplarische Bewertung von Digistore24, die sich offensichtlich auf „Grundbuchauszug-anfordern.info“ bezieht.

Zum Schluss erlaube ich mir noch einen kurzen Blick auf den Dienstleister, den „Grundbuchauszug-anfordern.info“ für seine Abrechnung nutzt. Dabei handelt es sich um digistore24. Neben einigen Beschwerden bei „Grundbuchauszug-anfordern.info“ direkt, habe ich auch versucht mich an digistore24 zu wenden (da sie von PayPal als Verkäufer angezeigt wurden). Dort gilt man als Endkunde anscheinend überhaupt nichts, jegliche Anfragen werden an den Verkäufer weiter geleitet. Hinweise darauf, dass es sich bei „Grundbuchauszug-anfordern.info“ vielleicht um einen zwielichtigen Kunden handelt, vor dem schon der Verbraucherschutz und auch das Grundbuchamt Bonn eindringlich warnt, wurden ignoriert. Genauso wie Hinweise auf die schlechten Bewertungen von digistore24 selber, die zu einem großen Teil durch eben jenen Kunden verursacht werden (aber nicht ausschließlich).

Eine kurze weitere Recherche zu digistore24 führt zu mehreren Websites, die den Dienstleister als hervorragenden Partner für ein „passives Einkommen“ loben, mit ausführlichen und bebilderten Anleitungen, wie man das da am besten (und sichersten gegen Widerrufe) einrichtet. Ich finde ja „passives Einkommen“ riecht schon an sich so ein wenig nach Betrug… Diese zwielichtigen Angebote scheint man bei digistore24 aber wohl als wichtigen Teil der Kundschaft zu sehen.

  1. worauf bei Beschwerden auch immer hingewiesen wird ohne weiter auf den Grund der Beschwerde einzugehen. Die Zufriedenheit ist wohl nicht sehr hoch, was aber auch nicht überraschend ist []

KI soll Probleme lösen an denen Menschen scheitern

Es gibt im Moment viele Diskussionen um Algorithmen und KI. Im Rahmen autonomfahrender Autos gibt es die Diskussion, wie ein Auto Dilemmeas lösen soll. Da fährt das Auto auf eine Oma und ein Kleinkind zu, kann aber höchstens einen davon Retten. Wie soll es sich entscheiden? Bei manchem Diskussionsbeitrag scheint dabei die Aussage durch „wenn man das nicht total gut löst, sollte man diese Fachsen mit autonomen Fahrzeugen besser lassen“. Dabei wird überhaupt nicht reflektiert, was für ein gigantischer Fortschritt es ist, dass hier eine Entscheidung getroffen werden kann. Bei mindestens 90% der menschlichen Fahrer gingen die Gedanken wohl so: „Ohje, eine Oma. Ohje, ein Kind“ – Schock – beide tot, Fahrer traumatisiert.

Das gleiche passiert auch bei Algorithmen in Verwaltung und sonst wo. Da sollen Algorithmen Diskriminierung vermeiden oder wenigstens transparent machen, die heute völlig intransparent von Menschen völlig unterbewusst gelebt wird. Wenn zum Beispiel ein Personaler im Bruchteil einer Sekunde entscheidet, wer jetzt zum Vorstellungsgespräch eingeladen wird und wer nicht, dann sind dort alle seine Vorurteile an der Entscheidung beteiligt und werden natürlich auch nicht reflektiert.

Kein Zwang zu autonomem Fahren?

Die Ethikkommission für das Autonome Fahren hat in den letzten Tagen ihre Ergebnisse vorgestellt. Das meiste davon erscheint mir ganz vernünftig. Manche sind überrascht, dass sich die Kommission um die ethischen Dilemmas etwas „herum gedrückt“ hätte. Dass es keine Anleitung gibt, wann eine alte Oma eher zu überfahren ist als ein kleines Kind oder ähnliches, erscheint mir aber wenig überraschend. Die Lösung sich auf die minimale Anzahl von Opfern zu beschränken halte ich für wohl durchdacht.

Ein Punkt stört mich jedoch etwas. So gab es das Ergebnis, dass es nicht mit der menschlichen Selbstbestimmung vereinbar sei, wenn ein Zwang bestünde, autonome Fahrzeuge zu benutzen. Das halte ich für zynisch, wenn man sich die Anzahl von Verkehrstoten anguckt, die heute durch Fehler des Fahrers entstehen (fast alle, 2015 waren es 88%!). Wenn man schon keine gesetzliche Regelung haben will, sollte man zumindest klar machen, wer im Falle des manuellen Fahrens verantwortlich ist: Der Fahrer. Spätestens, wenn eine ausreichende Marktdurchdringung mit Autonomen Fahrzeugen erreicht ist, sollten also die Haftpflichtversicherungen für Fahrzeuge abgeschafft werden, so dass Unfallfahrer auch einmal am Geldbeutel merken, was sie in ihrer Überheblichkeit so alles anrichten.

Meinung: Andreas Temme hat den Mord an seinem Gastgeber aus Versehen selber angeordnet

Die Ergebnisse des zweiten NSU Untersuchungsausschusses liegen nun vor. Leider hat auch dieser Ausschuss wenig Informationen zu dem genutzten Rechtsextremennetzwerk zu Tage gefördert. Das wäre allerdings interessant, da die Indizien dafür sprechen, dass es durchaus ein großes Netzwerk gibt und dieses auch einen Einfluss auf die Wahl der Opfer hatte:

So lässt sich bei der Tatort-Wahl recht deutlich erkennen, dass persönliche Kontakte offenbar oft den Ausschlag gaben. Mehrfach lagen Tatorte in Stadtgebieten, die in der jeweiligen lokalen Naziszene als Wohngebiete beliebt waren (z.B. Dortmund, Kassel, Rostock). Auch sind die Nazi-Szenen der verschiedenen Tatorte zum Teil eng miteinander bekannt und verknüpft.

Eine Kuriosität des NSU Prozesses und der ganzen Geschichte ist ja die Story von Andreas Temme, der bei Halit Yozgat im Internetcaffe saß, just als dieser vom NSU erschossen wurde und davon nichts mitbekommen haben will. Wie glaubwürdig das ist, darf jeder für sich entscheiden… Persönlich halte ich es auch ohne die Rekonstruktion durch Architekten für abwegig, dass man einen Schuss und daraufhin die Leiche, an der man sich vorbei stiehlt nicht mitbekommt. Egal. 

Andreas Temme hatte als V-Mannführer durchaus auch Kontakt in die Szenen und musste zumindest so tun, als ob die rechtsextremen V-Männer seine Freunde wären. Außerdem war er anscheinend Stammgast bei Herr Yozgat. Da kann ich mir gut vorstellen, dass er irgendwann, ob ehrlich gemeint oder gespielt, gegenüber einem seiner V-Männer etwas gesagt oder geschrieben hat wie : „Der blöde Türke, der mir hier das Geld für den Internetzugang aus der Tasche zieht,…“. Was man halt in den Kreisen so vom Leder zieht. Und irgendwann kommt der NSU vorbei und erschießt den „blöden Türken“ und denkt er hätte Herr Temme einen Gefallen getan. Abwegige Vorstellung? Jedenfalls könnte er dann natürlich nicht zugeben damit irgendetwas zu tun gehabt zu haben. Vermutlich gefiel ihm das Ereignis auch nicht sonderlich… 

Distanzierung

Ich wollte mich übrigens mal von weißen, christlichen Europäern distanzieren, die mit LKWs in Menschenmengen fahren. Oder durch ein Land streifen und Gewerbetreibende erschießen. Oder auf einer kleinen Insel Jugendliche erschießen. Oder Sprengkörper und anderes in Häuser werfen in denen Leute leben, die ihnen nicht passen.

Gleichzeitig möchte ich mich auch von allen Menschen distanzieren, die so etwas für gut befinden oder den ideologischen Unterbau dafür bieten bzw. entwickeln.

Warum tue ich das? Vielleicht um zu zeigen, wie absurd die Forderung nach Distanzierung gegenüber unseren muslimischen Freunden ist. Wie oft distanziert ihr euch am Tag von Menschen, die in einer wie auch immer gearteten „gleichen“ Bevölkerungsgruppe wie ihr seid und abscheuliche Dinge tun?