Angst vor Weichmachern? Lieber Plastik als Holz.

Weichmacher, Phtalate, Blisphenol A… all das wabert im Moment durch viele Diskussionen um Gesundheitsrisiken. Manch einer glaubt, dass ihn alles Plastik krank macht und er es bloß nicht anfassen darf. Das geht so weit, dass man schon ein schlechtes Gewissen hat, wenn man Babyspielzeug kauft, auf dem nicht groß „BPA-Frei“ steht. Was auch immer das heißt. Ist bestimmt besser…

Wenn man sich einmal mit diesen Stoffen und ihrer Verwendung beschäftigt, fällt einem allerdings schnell auf, dass Kunststoffe in der Hinsicht eigentlich eine eher unkritische Stoffgruppe ist.

Warum? Das fängt damit an, dass von den Kunststoffen nur Polyvinylchlorid (besser bekannt als PVC oder Vinyl) oder Polycarbonat Weichmacher braucht. Dafür braucht es die immer um weich zu sein. Alle anderen Kunststoffe, die so verwendet werden (wie PET, oder PEP aus dem die meisten Kunststoffflaschen sind) brauchen gar keine Weichmacher um die gewünschte Konsistenz zu erreichen.
Mit welchem Kunststoff man es zu tun hat, erkennt man am Recycling-Code, der meistens auf der Unterseite zu sehen ist (aber irgendwo sein muss, mindestens auf der Verpackung). Ist dieser PVC oder 03 hat man es mit PVC zu tun. Ist dieses weich, enthält es Weichmacher. In den aller meisten Fällen wir es sich dabei um Phtalate mit Blisphenol A, S oder F als Antioxidantien handeln. Daher, selbst wenn in dem Fall BPA-Frei aufgedruckt ist, ist vermutlich BPS oder BPF drinnen, mit gleicher Wirkung. Das ganze ist schwer (= teuer) zu ersetzen…
Polycarbonat ist leider unter 07 = „Other“ mit einigem anderen zusammengefasst. Es kommt aber auch eher selten vor und dann meistens hart. Ich habe jedenfalls in meinem Haushalt nur eine Flasche aus Polycarbonat gefunden und die ist sehr hart und spröde. PVC in weicher Form gibt es dagegen recht oft, z.B. „Gummitiere“ (sprich Quietscheenten) sind meist aus weichem PVC, außer sie sind aus dem deutlich teureren Latex. Alles aufblasbare Wasserspielzeug (Luftmatratze, Wasserball, …) ist, wohl aus Mangel an brauchbaren Alternativen, aus weichem PVC.

Aber warum nicht ganz auf Plastik verzichten? Das Problem sind hier die Alternativen. Z.B. bei Kinderspielzeug greift man gerne zu Holz. Damit Kinder das mögen, muss es bunt sein, also lackiert. Problem: in den allermeisten Lacken sind Weichmacher, damit die nicht so schnell abplatzen. Leider kann man bei lackiertem Holz also nicht erkennen, ob da Weichmacher drinnen sind, oder nicht. Insofern: Lieber Plastik. Da weiß man es. 🙂

Wer im übrigens Angst vor Weichmachern hat, sollte auf Kassenzettel verzichten. Denn da nimmt man die Phtalate schon über die Haut auf. Bei Kunststoffgegenständen, ist es dagegen relativ aufwendig das BPA und die Phtalate rauszulösen.
Ob oder wie schädlich das ganze ist, wird im Moment auch noch debattiert. Für den Körper sehen Phtalate und Blisphenol aus wie Östrogen und können wie dieses Hormon wirken. Was das genau heißt und wie schädlich das ist, ist bisher unklar. Wer Angst davor hat, sollte allerdings auch kein Soja essen und kein Bier trinken.

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Über Achim

Ich bin in Bad Godesberg auf das Konrad Adenauer Gymnasium gegangen und habe dort 2002 mein Abitur gemacht. Danach habe ich in Bonn Informatik studiert und habe den Studiengang 2008 mit Diplom abgeschlossen. Im Moment bin ich in der Forschung tätig. Außerdem bin ich einer von zwei Gründern von Tratschtante.de und im Moment hier der einzig aktive Schreiberling.