Wie geht ein weltoffenes Burka-Verbot?

Im Moment wird ja ganz stark ein Burka-Verbot diskutiert. Das es dabei meist nicht um die Burka, sondern um andere Kleidungsstücke geht, sei hier erstmal egal. Natürlich geht es auch nicht darum irgendwen zu schützen oder zu befreien, geschenkt. 🙁

Was mich extrem erstaunt ist die Wortwahl. Immer wieder hört man, dass die Burka ja wohl kaum zu unserem „offenen und toleranten“ oder gar „weltoffenen“ Land gehören könne. Letztens kam diese Aussage von Herrn de Maizière persönlich:

„Wir lehnen einhellig die Burka ab, sie passt nicht zu unserem weltoffenen Land“

Da frage ich mich, was an einem Verbot von Kleidungsstücken, die man hier als „fremd“ empfindet „weltoffen“ sein soll oder auch nur „offen“. Verwechselt man hier die Bedeutungen von „offen“, das ja auch heißen kann „ohne physikalische Beschränkungen„? Dann wäre ein Burka verschleiertes Gesicht tatsächlich nicht „offen“. Aber ist das so im Zusammenhang mit „weltoffen“ tatsächlich gemeint? Ich hätte es jetzt eher als „weltoffen“ empfunden, wenn man seine eigenen Vorstellungen von Kleidungsordnungen in Frage stellt und überlegt, ob eine fremde, importierte Kleidung hier auch möglich ist. Denn das „offen“ in „weltoffen“ bezieht sich ja auf den, der gerne „weltoffen“ sein möchte. Wenn Herr de Maizière sich also als „weltoffen“ sehen möchte, müsste er fremde Kleidungsstücke akzeptieren, anstatt sie abzulehnen, da sie ihm nicht „offen“ genug sind. Man sieht: sehr kompliziert das ganze.

Meiner Meinung nach soll hier hauptsächlich ein fremder, ja unangenehmer1, Anblick verschwinden, den man nicht kennt und auch nicht kennen lernen möchte. Mit weltoffen hat das nichts zu tun. Im Grunde geht es ja nicht einmal um das „Bewahren der eigenen Tradition“. Wenn es darum ginge, könnte man seine eigene Tradition ja einfach leben und wäre glücklich, egal was andere machen. Es geht doch darum die eigene Tradition und Kleidungsordnung anderen über zu stülpen. Aber das hört sich nicht so schön an, wie „weltoffen“, von daher muss man sich natürlich ständig einreden, dass man „weltoffen“ wäre, auch wenn man genau das gerade nicht ist… 🙂

 

Fußnoten:

  1. Ich vermute, dass der Anblick vielen Deutschen unangenehm ist, weil wir den gesellschaftlichen Code dahinter nicht lesen können. Unsere Kleidung zeigt uns ja ganz klar unsere Stellung in der Gesellschaft an: Jogginganzug, Businessanzug, Uniform, Freizeitkleidung, Abendkleidung, …. Diese Information wird in Niqabs ebenfalls transportiert, für uns aber nicht erkennbar, da wir den Code nicht kennen. []
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Über Achim

Ich bin in Bad Godesberg auf das Konrad Adenauer Gymnasium gegangen und habe dort 2002 mein Abitur gemacht. Danach habe ich in Bonn Informatik studiert und habe den Studiengang 2008 mit Diplom abgeschlossen. Im Moment bin ich in der Forschung tätig. Außerdem bin ich einer von zwei Gründern von Tratschtante.de und im Moment hier der einzig aktive Schreiberling.