Der Korrumpierungseffekt: Ein guter Grund für das bedingungslose Grundeinkommen

Der Korrumpierungseffekt, was ist das? Der Korrumpierungseffekt beschreibt die Verdrängung einer inneren Motivation durch äußere Anreize, was dauerhaft passiert, auch wenn die äußeren Anreize wegfallen. Hier gibt es eine anschauliche Erklärung über Puzzelspielen:

Den Korrumpierungseffekt weist man wie folgt nach: Man nimmt eine Schar Probanden, gibt ihnen eine amüsante Aufgabe – Puzzeln zum Beispiel – und misst, wie lange sie sich dieser aus freien Stücken widmen. In einer zweiten Phase belohnt man die Probanden für die mit Puzzeln verbrachte Zeit. Zuletzt stellt man das Belohnen wieder ein. Man wird feststellen, dass die Probanden jetzt weniger puzzeln als zuvor, als sie noch dafür belohnt wurden. Keine Überraschung.

Der Witz ist: Die Probanden puzzeln am Ende – und ab jetzt ihr Leben lang – weniger als ganz am Anfang, als sie es noch freiwillig taten. Das ist der Korrumpierungseffekt. Belohnt man einen Menschen für ein Verhalten, verringert sich sein innerer Antrieb. Nur sieht man von außen normalerweise nichts davon, da der innere durch einen äußeren Anreiz, eben die Belohnung, ersetzt wurde.

Die Frage an der Stelle, die in dem Artikel auch gestellt wird, ist, was das für unser Arbeitsleben heißt. Das Ergebnis im Artikel ist mehr oder weniger, dass man sich sein Hobby nicht zum Beruf machen sollte, weil man es dann nicht mehr mag. Später werden junge Wissenschaftler, die sich selber ausbeuten angesprochen. Diese gehen hauptsächlich ihrer inneren Motivation nach und verdienen gerade genug um davon zu leben. Gleichzeitig haben die Arbeitszeiten nichts mit der Bezahlung zu tun. Im allgemeinen sehen diese Wissenschaftler zwar, dass sie viel arbeiten aber wenig Geld haben, sie sind aber meist glücklich und sehr enthusiastisch in ihrer Arbeit. Wenn man so will, sind es genau diese Menschen, die unsere Gesellschaft voran bringen.

Wenn man das jetzt mal zu Ende denkt, würde es bedeuten, dass mit einem bedingungslosen Grundeinkommen jeder mit vollem Enthusiasmus seinen Hobbys nachgehen könnte, sei es in der Wissenschaft oder Kunst oder sonst wo. Kaum auszudenken, wo wir da am Ende rauskommen könnten. Da sollte man mal drüber nachdenken (und das ganze vielleicht einmal ausprobieren?).

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Über Achim

Ich bin in Bad Godesberg auf das Konrad Adenauer Gymnasium gegangen und habe dort 2002 mein Abitur gemacht. Danach habe ich in Bonn Informatik studiert und habe den Studiengang 2008 mit Diplom abgeschlossen. Im Moment bin ich in der Forschung tätig. Außerdem bin ich einer von zwei Gründern von Tratschtante.de und im Moment hier der einzig aktive Schreiberling.

15 Gedanken zu „Der Korrumpierungseffekt: Ein guter Grund für das bedingungslose Grundeinkommen

  1. Günter

    Das Beispiel „hinkt“. Mit einem bedingungslosen Grundeinkommen werde ich ja immer belohnt, ob ich nun puzzle oder nicht.

    Oder sollte man unseren Wissenschaftlern NUR ein bedingungsloses Grundeinkommen geben. Das wäre auch unrealistisch, oder?

  2. Achim Artikelautor

    Das hast du richtig verstanden, aber ich sehe nicht, was da hinken soll. Das bedingungslose Grundeinkommen bekommt man, ob man arbeitet oder nicht. Es ist also keine Belohnung für das Puzzeln, sondern ermöglicht das überleben ohne nutzenbringende Arbeit.
    Daher muss die Arbeit also nicht belohnt werden, sondern kann aus der intrinsischen Motivation heraus erfolgen. Wenn du also gerne Puzzeln möchtest (intrinsische Motivation) kannst du das tun. Oder du interessierst dich für irgendein Thema, wo die Wissenschaft noch Lücken hat und bringst uns da weiter. Das Gute daran: du behältst die Freude an deiner „Arbeit“, da sie nicht entlohnt wird (also kein Korrumpierungseffekt). Gleichzeitig arbeitest wahrscheinlich besser, da du dich selber zufrieden stellen willst und nicht irgendeinen Auftraggeber, der dir Geld dafür gibt… letzteres führt doch sehr häufig zu Vertuschung und Pfusch. 😉

    In meinen Ohren klingt es schon gut Wissenschaftler nicht für ihre Arbeit zu entlohnen sondern unabhängig davon zu finanzieren. Insbesondere, wenn man sich mal umguckt, was es so für überragende Wissenschaftler gegeben hat. Die „alten“ Wissenschafter (Newton usw., bis ins 19. Jahrhundert hinein) waren alle finanziell sehr gut betucht, meist Adel oder Mitglieder reicher Kaufmannsfamilien, und daher finanziell völlig unabhängig von ihrer Arbeit. Da war höchstens Ruhm die Antriebsfeder.
    Und Einstein, der ja als eines der größten Genies der Neuzeit gehandelt wird, arbeitete in seiner Anfangszeit, der Zeit der größten Durchbrüche, auch nicht als Wissenschaftler, der Lebensunterhalt kam also von etwas völlig anderem und Physik war seine Leidenschaft.

  3. Günter

    Das weiß ich schon, hast du aber m. E. nicht so richtig oder unmissverständlich erklärt, denn „man“ KÖNNTE das so verstehen, dass Tätigkeiten ja mit dem bGE bereits entlohnt sind. Es ist auch nicht so, dass man mit einem bGE reich wäre, wie du das jetzt beschreibst, also würde man mit einem bGE schon tätig werden, weil man muss.

    1. Achim Artikelautor

      Das bGE soll grundsätzlich Tätigkeit und Entlohnung entkoppeln. Insofern macht die Idee, dass das bGE alle Tätigkeiten entlohnt, nicht wirklich Sinn. Schreibe ich m.E. auch nicht.

      Das man mit dem bGE reich wird habe ich m.E. auch nirgendwo geschrieben. Es sollte aber zum Überleben reichen (z.B. die Initiative die 1000€ im Monat als bGE verlost, das reicht schon für die grundlegenden Dinge). Die Frage ist, warum du unbedingt reich werden musst…? Wenn der Reichtum das Ziel ist, dann kommst du wohl nicht um die Arbeit drum herum, und einige Arbeit, die keiner machen will, die also bezahlt werden muss, wird es ja auch mit bGE noch geben.

      Aber für die Gesellschaft wäre es sicherlich besser, wenn deutlich mehr Leute nicht irgendeine gehasste Pflicht für Geld erfüllen, sondern aus freiem Willen das Beste aus sich rausholen können ohne über das schnöde Überleben nachdenken zu müssen.

      1. Günter

        Hast du nicht geschrieben, dass die alten Wissenschaftler gut betucht (reich) waren?
        Ich habe nicht geschrieben, dass ich reich werden möchte. Reiche Menschen haben nicht einmal die Sicherheit eines regelmäßigen Einkommens, denn der Reichtum kann schnell verloren gehen.

        1. Achim Artikelautor

          Ja, und deshalb mussten sie nicht für das Geld arbeiten, das Geld arbeitete für sie. Insofern war die Tätigkeit (i.e. Wissenschaft) unabhängig von finanziellen Entlohnungen (die aus dem Kapitalstock, laufenden Unternehmen, der Familie, reichen Mäzen, …) kamen.

          Die Frage ist, warum du annimmst, dass ein bGE deshalb reich machen sollte/muss…? Davon war nirgends die Rede. Da ist ein Sprung in deiner Argumentation, den du erklären musst. Wenn du das nicht kannst, solltest du mal darüber nachdenken, was für Annahmen du machst. 😉

          1. Günter

            Ich denke eher, du solltest darüber nachdenken, wie du kommunizierst und woher du den Schluß ziehst, dass ein bGE reich macht, ich das schrieb! „NICHT“ wahr!

  4. Eric Manneschmidt

    Das ist alles schon ziemlich interessant, allerdings hab ich noch ein paar Fragen:
    – Die Belohnung beim Puzzeln ist welcher Art? Materiell? Geld? Lob? Soziale Anerkennung?
    – Was passiert, wenn man in einem weiteren Schritt anfängt, die Leute für andere Dinge zu belohnen? Z.B. sich gegenseitig die Rübe einzuschlagen oder Stromstösse an Probanden abzugeben? Gibt es einen Zusammenhang – dass Menschen von (einer bestimmten Art) der Belohnung abhängig geworden sind?
    – Wie hängt das mit dem BGE zusammen, das ja auch finanziert werden muss? Angenommen alle Menschen machten nur noch intrinsisch motivierte Arbeit, bräche ja die Geldwirtschaft sofort zusammen. Die Frage ist vielleicht, wie wir die beiden Dinge: intrinsisch und extrinsisch (finanziell) motivierte Arbeit bzw. geldlose und Geldwirtschaft in ein sinnvolles Gleichgewicht bringen können.

    Dazu wäre es aber wichtig, dass extrinsische und intrinsische Motivation parallel nebeneinander existieren können, was hier erst mal nicht so klingt.
    Vielleicht sollten wir untersuchen, ob bzw. unter welchen Bedingungen Menschen gegen diesen korrumpierenden Effekt immun bzw. immunisierbar sind?

    Und, naja, es sind ja nicht nur die schlecht bezahlten Wissenschaftler, die uns voranbringen, sondern auch die Reinigungskräfte, die ihnen die Labors und Büros benutzbar halten und dabei möglicherweise nur durch das (vermutlich auch eher geringe) Geld denken, welches sie dafür nach Hause bringen können.

    1. Günter

      Eric, wieso muss ein bGE finanziert werden? Wenn Niemand etwas täte, also Niemand etwas finanziert, könnten dann nicht trotzdem Alle leben, sich einfach nur selbst ernähren, atmen?

      1. Eric Manneschmidt

        Was ist das jetzt?
        Steinzeit-Liberalismus? Jeder ist sich selbst der nächste und das noch ohne Geldwirtschaft (also auch ohne Staat)?
        Das Recht des Stärkeren als oberstes Ordnungsprinzip, Survival of the fittest usw.

        Kommt noch mal was sinnvolles?

        1. Günter

          sinnvoll war dein Beitrag nun ganz und gar nicht. Verstehst wohl den tieferen Sinn nicht?

          Denk mal nach, warum man Grundsteuer bezahlen muss! Denken, meine ich 🙂

      2. Achim Artikelautor

        Immer dieser Versuch das ganze ins lächerliche zu ziehen ohne selber einmal darüber nachdenken zu wollen… Schonmal von Bullshit-Jobs gehört? Interessante Lektüre: http://strikemag.org/bullshit-jobs/

        Die Grundfrage ist, warum haben Jahrzente der Automatisierung nicht dazu geführt, dass weniger gearbeitet wird? Und die Automatisierung geht ja weiter… bald werden erste Schreibtischjobs durch Computer erledigt werden können. Im Prinzip ist die fortschreitende Digitalisierung der erste Schritt in die Richtung… in der Industrie ist eigentlich schon alles durch. In der Landwirtschaft könnte man mit heutigen Mitteln fast alles automatisieren, wenn man die Bedingungen auf den Feldern etwas besser strukturiert (was in einem längerfristigen Prozess Schritt für Schritt sicherlich möglich wäre).

        Es sind also schon sehr viele sinnvolle Jobs weggefallen und es werden noch weiter sinnvolle Jobs wegfallen. Sinnvoll im Sinne von „produzieren etwas“. Jetzt muss man sich halt fragen, ob man diese Ideologie, dass nur die Leute etwas wert sind, die Arbeiten weiter steif hoch hält und immer mehr Bullshit-Jobs in den Verwaltungen und Behörden schafft, die zum größten Teils überflüssig sind, die Leute unglücklich machen und nur noch viel mehr Aufwand und Geld kosten, als wenn man den Leuten ein bGE geben würde, mit dem sie nicht arbeiten müssten, sondern nur, wenn sie mehr haben wollen würden.

        1. Henrik Wittenberg

          Es wird seit Jahrzehnten weniger gearbeitet:

          http://grundeinkommensblog.blogspot.de/2010/11/der-aktuelle-beschaftigungsoptimismus.html

          http://www.vgrdl.de/Arbeitskreis_VGR/tbls/tab.asp?tbl=tab17

          Wenn man in der gleichen Zeit – wie in Deutschland in den letzten Jahren geschehen – neue prekäre (Teilzeit-)Jobs »schafft«, dann wird letztlich nicht mehr Wertschöpfung durch die Erwerbstätigen erbracht sondern nur die Butter dünner auf das Brot verteilt.

          Erinnert sich noch jemand an die Diskussion über Erntehelfer in der Landwirtschaft?
          http://youtu.be/7SqU8yTZSyo?list=PLd2a3iX3Sh5_jLz4mT3GMojEqzXT_qE36

  5. Henrik Wittenberg

    Zu diesem Thema (Motivation) gibt es das tolles 10minütige Video »The surprising truth about what motivates us«, das überraschende Einblicke aufzeigt :
    http://youtu.be/u6XAPnuFjJc

    Zum Thema »Grundeinkommen ausprobieren«: auch im Netzwerk BGE-Kreise besteht die Möglichkeit, eigene Erfahrungen in einem geschützten Rahmen mit dem Grundeinkommen zu machen. Elemente von Tauschring, Komplementärwährung und Grundeinkommen wurden hier zu einer Einheit verschmolzen:
    http://bgekoeln.ning.com/profiles/blogs/bedingungsloses-grundeinkommen-nicht-warten-sondern-starten

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