Beschäftigung mit Gauland

Im sinne meines Artikels von gestern versuche ich mich heute einmal mit den Thesen von Gauland zu beschäftigen. Diese kommen aus einem Interview mit der Zeit, also von ihm direkt.

ZEIT ONLINE: Sie haben in einem Interview gesagt, Ausländer, die hier leben und nicht in die deutschen Sozialkassen eingezahlt haben, sollten Sozialhilfe aus ihrem Heimatland beziehen.

Gauland: Es kann nicht sein, dass Menschen hierher kommen, die genau wissen, dass sie hier keine Arbeit finden und dann Geld aus Kassen bekommen, in die sie nie eingezahlt haben. Ich finde es auch nicht richtig, dass Leute, die nur hierher kommen, um von Sozialhilfe zu leben, Kindergeld nach deutschem Recht bekommen. Zumal wir noch nicht mal sicher wissen, ob diese Kinder in den Heimatländern existieren.

Hier sollte man den Menschen einfach wörtlich nehmen. Wenn er nachweisen kann, dass ein Mensch hier her kommt, obwohl er genau weiß, dass er hier keine Arbeit findet, dann kann man ja diskutieren, ob er Sozialhilfe bekommen sollte oder nicht… Der Nachweis funktioniert natürlich nicht. Daher lieber den Generalverdacht aufstellen. Denn er versucht hier zu suggerieren, dass das ja fast alle Menschen sind, die hier hin kommen. Weil man sieht ja, dass die alle arbeitslos sind. Also wollten die wohl auch nie arbeiten. Das man natürlich an der Wirkung (Arbeitslos) nur schwer die Ursache (wollte nie arbeiten) feststellen kann, ist ihm dabei egal. Und Betrüger sind das natürlich auch alle, siehe Kindergeld. Das er hier recht pauschal redet fällt auch dem Interviewer auf:

ZEIT ONLINE: Aber solche Fälle gibt es doch kaum.

Gauland: In manchen westdeutschen Großstädten offenbar schon und die Menschen haben das Gefühl, dass das ungerecht ist.

Woah? Wie viele von den „Problemfällen“ in „westdeutschen Großstädten“ hat er denn gefragt, ob die hier Arbeit haben wollen (bzw. vor der einreise wollten), oder nicht? Von den Arbeiterstrichen hat er wohl noch nichts gehört? Intelligent, wie er seine Demagogie fortführt und gar den Einwand dazu nutzt die Zahl der Problemfälle noch viel größer erscheinen zu lassen. „Großstädte“, die Bilder von verwahrlosten Sinti und Roma Häusern (und selbst die wollen arbeiten, wenn auch „anders“)… unspezifische Ängste. Alles dabei.

ZEIT ONLINE: Wenn es nach Ihnen geht, sollten nur Leute nach Deutschland kommen, die „so wie wir hier arbeiten, das auch können oder es gelernt haben“. Das heißt, Einwanderung aus vermeintlich fremden Kulturen sollte unterbunden werden?

Gauland: Es geht darum, dass diese Menschen Deutsche werden wollen, sich unseren Lebensverhältnissen anpassen können, unsere Sprache sprechen. In Berlin oder in Frankfurt gibt es Problemzonen, in denen Menschen wohnen, die aus Kulturen kommen, die für Deutschland wenig bis nicht geeignet sind.

So… jetzt geht’s ans eingemachte. Welche „Kulturen“ das sein sollen, sagt er nicht. Warum nicht? Weil er es nicht könnte. Es gibt keine Kulturen, „die für Deutschland wenig bis nicht geeignet sind“. Wer soll das sein? Aus welchem Kulturkreis findet man denn keine positiven Beispiele? Der Trick hier ist, dass jeder seine ganz persönliche Angst, seinen persönlichen Fremdenhass projizieren kann. Für den einen sind es immer noch die Türken, für den anderen alle „Moslems“, für den anderen eh alle Ausländer, inklusive Franzosen oder Italiener. Ein typisches Trick von Rechtsdemagogen. Und natürlich hat er ja auch nichts böses gesagt:

ZEIT ONLINE: Also generell keine Zuwanderung aus islamischen Ländern, dem Nahen oder Mittleren Osten?

Gauland: Das hab ich nie gesagt. Aber es fällt ja auf, dass Menschen aus Südostasien zum Beispiel weniger Probleme haben, sich anzupassen. Wir sollten, ähnlich wie Kanada das tut, im Vorhinein klären, ob diejenigen, die zu uns kommen wollen, etwas beizutragen haben.

Seht ihr. Nix böses gesagt. Nein. Er hat nur in das Wespennest gestochen. Die Asylbewerberheime zünden hinterher andere an. Denn Gauland ist ja lieb. Er ist Kanada. Kanada ist per se gut. Wir sollten so sein wie Kanada. Ha. Das ich nicht lache. Welche Kulturen schließt den Kanada per se aus? Da hat er nur wenig vorher was ganz anderes gefordert. Kanada vergibt Aufenthaltsgenehmigungen nach Qualifikation, ähnlich wie die Greencards in den USA. Und auch Deutschland tut ähnliches (wenn auch deutlich dilettantischer, was auch viel an Leuten wie Gauland liegt). Aber wenn der gut ausgebildete Informatiker und Moslem aus dem Nahenosten mit guter Jobaussicht nach Kanada will, darf er wahrscheinlich einwandern. Dagegen hat es der ungelernte ur-deutsche Arbeiter ohne jede Aussicht schwer, obwohl er aus diesem als „höherwertig“ dargestellten Kulturkreis kommt. Warum? Weil Kanada eben nicht nach Kulturkreisen aussucht.

Danach geht es dann hauptsächlich um Russland und wie sehr man die mit Nato-Osterweiterung betrogen hat.. und deshalb Russland da annektieren darf, ja muss, wen es will. Oder so. Natürlich stark (und nicht ganz fair ;)) zusammen gefasst. Interessant ist daran noch, dass er anscheinend Transnistrien als Staat anerkennt.

Wenn man jetzt noch überlegt, dass das einer der gemäßigten AfD Leute ist… Wie hoch wohl die Zustimmung zum KZ-Bau unter den AfD Anhängern ist? Wenn die Leute langfristig denken würden, müsste sie sehr hoch sein. Eigentlich braucht man nur zwei Argumente für systematische Menschenvernichtung:

  1. Ein ganzer Kulturkreis ist „von Natur aus“ minderwertig.
  2. Die Ressourcen der Erde sind endlich.

Das zweite Argument ist ein offensichtlicher Fakt, allein schon der Platz ist endlich. Das erste Argument ist eben, was die populistische Rechte ständig versuchen zu propagieren. Das es falsch ist, ist nach kurzem hinsehen offensichtlich. Aber als Anhänger, der das glaubt, muss man eigentlich für den Bau von KZs stimmen. Die Ausweisung und Einwanderungsstops können da ja nur kurzfristige Lösungen sein. Im Prinzip verlagern Rechte, die so etwas fordern, das (von ihnen gesehene) Problem nur auf ihre Kinder. Tolle Leute sind das.

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Über Achim

Ich bin in Bad Godesberg auf das Konrad Adenauer Gymnasium gegangen und habe dort 2002 mein Abitur gemacht. Danach habe ich in Bonn Informatik studiert und habe den Studiengang 2008 mit Diplom abgeschlossen. Im Moment bin ich in der Forschung tätig. Außerdem bin ich einer von zwei Gründern von Tratschtante.de und im Moment hier der einzig aktive Schreiberling.