Deutschland auf dem Weg in die nächste Krise?

Vor einiger Zeit gab es im Wallstreet Journal einmal mehr eine Analyse, warum Deutschland (und ein paar andere Industrienationen) die nächsten Krisenherde sein werden. Bedeutend dabei war dieses Zitat über Frankreich:

In Wahrheit hat sich Frankreich eine ganze Generation lang auf den Erfolgen der Vergangenheit ausgeruht und ist nur noch eine Krise von der Kernschmelze entfernt.

Leider muss man wohl sagen, dass Deutschland gerade in dieselbe Falle läuft. Denn, was viele bei der Bewunderung für die deutschen Leistunbsbilanzüberschüsse von mehr als 6% vergessen ist, dass diese Überschüsse auf Investitionslücken schließen lassen. Es geht dabei ja nicht darum, wie viel Deutschland exportiert. Sondern wie viel mehr es exportiert als es importiert. Deutschland hat schon immer viel exportiert, trotzdem lagen die Überschüsse selten so hoch, wie jetzt. Nein, es wird in Deutschland einfach nicht mehr investiert. Leider verheißt das nichts gutes für die Zukunft… Warum folgen niedirge Investitionen aus dem hohen Leistungsbilanzüberschuss? Dafür muss man sich etwas von seinem eigenen Sparer-Denken lösen. Das Geld landet ja nicht in Matratzen… sondern Geld fließt nach Deutschland, wird aber hier nicht ausgegeben, sonst würden Waren oder zumindest Rohstoffe ebenfalls nach Deutschland fließen. Nein, das Geld fließt über den Finanzmarkt (entweder vom Geldbesitzer selber oder von der Bank, wenn er es „nur“ auf seinem Konto liegen lässt) wieder irgendwohin und wird investiert. Aber eben nicht in Deutschland.

Wie kann man nun die Investitionen fördern? Auf der einen Seite würde der Infrastruktur Investitionen gut tun. Auch Investitionen in Bildungssysteme zahlen sich auf lange Frist immer aus. Für die Privatwirtschaft könnten höhere Steuern paradoxerweise gerade ein Anreiz für mehr Investitionen sein. Im Prinzip geht das Argument so, dass man bei höheren Steuern auch mehr absetzen kann, also mehr Geld ausgibt und am Ende, durch von der Steuer absetzen auf den gleichen Endbetrag raus kommt.

Das größte Problem im Moment ist aber, dass die Vehemenz mit der die Exportüberschüsse als notwendig und total gut dargestellt werden den Blick darauf versperren, dass Investitionen in die Zukunft vergleichsweise selten passieren. Gleichzeitig werden gerade die kurzfristigen Steuermehreinnahmen aus dem aktuellen Wirtschaftsboom dazu verwendet langfristig die Steuern zu senken. Das kann schon alleine nicht gut gehen… Besser wäre es mit dem kurzfristigen Geld ebenfalls kurzfristige Investitionen anzuschieben, die uns aber langfristig nützen. Schade eigentlich. Aber Deutschland hat ja auch Erfahrung damit der „kranke Mann Europas“ zu sein. 😉

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Über Achim

Ich bin in Bad Godesberg auf das Konrad Adenauer Gymnasium gegangen und habe dort 2002 mein Abitur gemacht. Danach habe ich in Bonn Informatik studiert und habe den Studiengang 2008 mit Diplom abgeschlossen. Im Moment bin ich in der Forschung tätig. Außerdem bin ich einer von zwei Gründern von Tratschtante.de und im Moment hier der einzig aktive Schreiberling.