Die EU nutzt uns doch…

In einer interessanten Studie haben Ökonomen berechnet wie sehr die EU den Wachstum verschiedener Mitgliedsländer beschleunigt hat, im Gegensatz zu einem alternativen Szenario, in dem sie gar nicht eingetreten wären. Die Methode ist ganz interessant, insbesondere, dass man die Länder mit verschiedenen Zusammensetzungen simuliert hat und sich die Ergebnisse nicht groß veränderten.

Für Deutschland gibt es keine Zahlen, da es auch vor Gründung der EU schon mit Frankreich in einer engen Union war und man deshalb keine Vergleichsländerkombination gefunden hat. Guckt man sich aber die aktuellen Vorteile1 an, hat man eigentlich schon genug Gründe dafür. Bleibt die Frage, warum es aktuell so viele Spinner gibt, die in Deutschland den Beitritt zur EU für einen Fehler halten. Gerade in Deutschland

Salatgurke

Bild einer Salatgurke – Rainer Zenz at the German language Wikipedia [GFDL (http://www.gnu.org/copyleft/fdl.html) or CC-BY-SA-3.0 (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/)], via Wikimedia Commons

Oft kommt dann ein Hinweis auf die „undemokratische“ EU-Bürokratie, mit dem Verweise auf die angeblich verbotenen krummen Gurken. Wenige wissen, dass es sich bei dem „Verbot“ eigentlich nur um eine Normierung handelt, und Gurken dabei nicht verboten werden, sondern nur in Güteklassen eingeteilt. Der Wunsch dazu kam, na, aus dem Handel, insbesondere dem deutschen. Warum? Weil man die geraden Gurken viel schöner in Kisten packen kann, als das krumme Gemüse. Jetzt mal ehrlich… die Deutschen beschweren sich ernsthaft über Bürokratie und Normierung?

Wer glaubt den bitte, dass die Deutschen ohne EU keine Normierung von Gurken durchführen würden? Das ist doch total abwegig… Hier geht doch den Leuten total einer ab, wenn einer DIN sagt. Da ist eher anzunehmen, dass gerade diese KZ-Aufsteller, die die EU für Teufelswerk halten, sich eigentlich darüber aufregen, dass Gurken auf 10cm um einen 1cm gekrümmt sein dürfen. Das geht ja mal gar nicht. Wo kommt man denn dahin? 😛

PS: Hier nochmal der Hinweis, dass am 25.5. das europäische Parlament gewählt wird. Wer nicht wählen geht, darf sich auch nicht beschweren. Und nein, die Parteien, auch die „eingesessenen“ wollen nicht alle das gleiche, auch wenn euch die AfD und Konsorten das gerne erzählen möchten.

 

Fußnoten:

  1. großer Währungsraum, also keiner kann sich durch die Abwertung seiner Währung gegen unsere Exporte wehren. Schön niedriger Währungskurs weltweit durch die „schwachen Südländer“. Ein großes Reservoir an Arbeitskräften, i.e. Arbeitslose im Süden Europas. Nicht zu vergessen auch die satten Zinsgewinne aus den „Hilfskrediten“. []
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Über Achim

Ich bin in Bad Godesberg auf das Konrad Adenauer Gymnasium gegangen und habe dort 2002 mein Abitur gemacht. Danach habe ich in Bonn Informatik studiert und habe den Studiengang 2008 mit Diplom abgeschlossen. Im Moment bin ich in der Forschung tätig. Außerdem bin ich einer von zwei Gründern von Tratschtante.de und im Moment hier der einzig aktive Schreiberling.

2 Gedanken zu „Die EU nutzt uns doch…

  1. DKM

    Neulich noch etwas recht zutreffendes gesehen: „Definiere ‚deutsch‘: Jemand will eine zerknitterte Einwegflasche am Automaten zurückgeben. Der Automat nimmt diese nicht an. Der Nutzer entknittert mühsam die Flasche und steckt sie erneut in den Automaten. Dieser nimmt die Flasche nun an und schreddert sie.“
    Ich würde sagen: Europa hat noch nicht genug italienische Gelassenheit nach Deutschland gebracht 😀

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