Warum investieren die Deutschen mittels Genusscheinen in Risikounternehmen?

Windrad

Windrad – Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0 Unported, Quelle Wikipedia User Andol

Prokon hat Insolvenz angemeldet. Dabei werden wohl rund 75.000 Anleger den Großteil ihrer 1.4 Milliarden €, die sie mittels Genussscheinen in dem Unternehmen angelegt hatten, verlieren. Warum? Weil Genussscheine erst bedient werden, wenn alle anderen Gläubiger ihr Geld bekommen haben.

Die Regierung will solche „hochriskanten Anlagen“ nun direkt verbieten oder zumindest viel stärker regulieren. Aber warum investieren die Deutschen in solchem Umfang auf so unsichere Art und Weise in solch ein Risikounternehmen? Immerhin ist die Branche der erneuerbaren Energien im Umbruch und wird es noch ein paar Jahre bleiben. Das Genussscheine bzw. Genussrechte gefährlich sein können, steht schon im ersten Absatz auf Wikipedia:

Die Rendite ist oft recht hoch, bei einer Insolvenz oder einer Liquidation erfolgt die Rückzahlung der Einlage des Genussscheininhabers aber erst nach vollständiger Befriedigung aller anderen Gläubiger. Der Totalverlust der Einlage ist also möglich.

Das ist wohl kaum missverständlich und sollte insbesondere dem unbedarften Anleger deutlich Angst machen. Das Risiko ist m.E. also klar. Warum fließen trotzdem 1.4 Milliarden € auf dem Weg in so ein Unternehmen? Die einzige Interpretation, die mir da bleibt, ist, dass die deutsche Bevölkerung in der Energiewende einfach schon viel viel weiter ist als ihre Regierung und ihre Energiewirtschaft. Wenn es keine anderen Möglichkeiten gibt zu investieren, nimmt man offensichtlich auch Genussrechte. Und umgekehrt konnte sich Prokon auch leisten Genussrechte auszugeben und musste nicht auf gesicherte Anleihen oder echte Anteile am Unternehmen zurück greifen. Beides hätte für die Anleger eine höhere Sicherheit dargestellt aber für Prokon mehr Aufwand bzw. weniger Möglichkeiten sich zu verschulden.

Meiner Meinung nach existiert hier nicht so sehr der Bedarf nach zusätzlicher Regulierung, sondern eher nach sinnvollen Möglichkeiten sein Geld anzulegen und dabei die Energiewende voran zu treiben. Das ist, auch nach eigener Erfahrung, erstaunlich schwer.

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Über Achim

Ich bin in Bad Godesberg auf das Konrad Adenauer Gymnasium gegangen und habe dort 2002 mein Abitur gemacht. Danach habe ich in Bonn Informatik studiert und habe den Studiengang 2008 mit Diplom abgeschlossen. Im Moment bin ich in der Forschung tätig. Außerdem bin ich einer von zwei Gründern von Tratschtante.de und im Moment hier der einzig aktive Schreiberling.