Radikale Datenschützer

Vernetzte WeltHeute durfte ich zwei interessante Artikel auf Golem.de lesen. Der erste Artikel handelte davon, dass die Wirtschaftsvertreter in Deutschland sich wünschen würden, dass das Internet von der Politik nicht immer nur als Bedrohung, sondern auch als Chance begriffen würde. Immerhin wächst die Branche mit 8% im Jahr recht stark und 360.000 Mitarbeitern auch einige Jobs. Auch für die „alte“ Wirtschaft wird das Internet immer wichtiger. Gleichzeitig ist die Versorgungslage eher schlecht und auch die rechtliche Situation alles andere als angenehm für alle Beteiligten. Insbesondere der scharfe Datenschutz stößt der Wirtschaft auf. Auch die großzügige Verteilung der Kompetenzen auf unsere 16 geliebten Bundesländer gefällt wenig. Man wünscht sich lieber einen deutschen Ansprechpartner und eine internationale Angleichung des Datenschutzes. Soweit sind das verständliche Wünsche. Ob man jetzt als normaler Bürger den Datenschutz auch als „zu scharf“ empfindet oder nicht, bleibt jedem selbst überlassen. Den Wunsch nach einem gemeinsamen Ansprechpartner kann man aber völlig nachvollziehen.

Insbesondere im Kontext des zweiten Artikels wird die Brisanz dieser Wünsche der Wirtschaft deutlich. Denn im zweiten Artikel dreht es sich darum, dass radikale Datenschützer jede Verlinkung von außereuropäischen Inhalten als verboten ansehen. Diese Annahme begründet sich damit, dass die Datenschützer nicht verstehen, wie das Internet funktioniert und daher die IP-Adresse als persönliches Datum ansehen, das keinesfalls nach außerhalb der EU transferiert werden darf, ohne dass dem zugestimmt wird.

Diese radikal Vorschläge im Bereich des Datenschutzes sind völliger Irrsinn. Wie  immer bei absolut radikal Positionen schaden sie dem eigentlich nachvollziehbaren Wunsch mehr, als das sie nützen würden. Es ist sinnvoll einen möglichst kritischen Blick auf die Aktivitäten von weltumspannenden Firmen wie Facebook, Google oder Twitter zu haben. Aber dann Show-Prozesse gegen kleine Webseitenbetreiber anzustreben ist totaler Unfug. Dort sollte lieber mit Bußgeldern gegen die Unternehmen direkt gearbeitet werden. Auch Rufmord-Kampagnen in den Medien als Versuch von zweitrangigen Politikern sich zu  profilieren helfen bei dem Problem nicht wirklich weiter…

Man sollte lieber auch einmal kritisch den deutschen Datenschutz auf seine Praktikabilität untersuchen. Warum muss ich, wenn ich umziehe, mich einzeln bei Einwohnermeldeamt, KFZ-Zulassungsstelle, Finanzamt, Banken, usw. melden, aber die GEZ meldet sich völlig selbstständig bei mir? Es wäre viel praktischer, wenn zumindest alle öffentlichen Ämter über meinen Umzug informiert würden. Das ist aber aus Datenschutzgründen nicht möglich. Für die GEZ wird hier aber eine Ausnahme gemacht, der man aktiv widersprechen muss. Das ist doch Unfug.

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Über Achim

Ich bin in Bad Godesberg auf das Konrad Adenauer Gymnasium gegangen und habe dort 2002 mein Abitur gemacht. Danach habe ich in Bonn Informatik studiert und habe den Studiengang 2008 mit Diplom abgeschlossen. Im Moment bin ich in der Forschung tätig. Außerdem bin ich einer von zwei Gründern von Tratschtante.de und im Moment hier der einzig aktive Schreiberling.