Universaldienst Breitbandinternet und der Wettbewerb

Unsere Regierung plant seit einiger Zeit einen Breitbandigen Zugang zum Internet als Universaldienst, der jedem Bürger zusteht, ähnlich wie Telefon und Postzustellung, gesetzlich zu verankern. Dagegen wehrten sich vor einiger Zeit die Netzbetreiber vehement und wollen diese Verankerung als Universaldienst unbedingt verhindern. Diese Verweigerung zeigt nur, wie absolut notwendig eine gesetzliche Regelung ist.

Dass ein Zugang zum Internet heute und in Zukunft zum gesellschaftlichen Leben einfach dazu gehört, steht wohl außer Frage. Dass man mit einer Modem oder ISDN Verbindung von 56 bzw 64kbps schon heute nicht mehr sehr weit kommt und dabei auch noch sehr teuer unterwegs ist, sollte auch klar sein. Wer das nicht glaubt, sollte es einfach mal versuchen. Schon das Update eines Virenscanners wird so zur Qual, ganz zu schweigen von Sicherheitsupdates für das Betriebssystem. Videoportale oder auch aufwendiger Nachrichtenseiten sollte man weiträumig umschiffen. Das Web 2.0 ist kaum zu gebrauchen mit einer solchen Verbindung.

Natürlich kostet es Geld in dünnbesiedelten Gebieten eine vernünftige Netzwerkinfrastruktur aufzubauen. Ganz klar, dass die Telekommunikationskonzerne sich lieber um die vielversprechenden Ballungscentren bemühen, als um entlegene Bauerndörfer. Diese Tatsachen entlarven auch die Aussage, dass LTE ja bald die Probleme der weißen Flecken automatisch löst als blauäugig. Es ist ja schon heute so, dass es auch dass schnelle 3G Netz nur in den Städten gibt und in Gebieten mit fehlender DSL- oder Kabel-Abdeckung die schnellen Handynetze meist auch durch Abwesenheit glänzen. Nein, auf einen freiwilligen LTE Ausbau in solchen Regionen braucht keiner zu hoffen. Nicht um sonst geht gerade durch die Presse, dass erste Testnetze in Metropolen wie Köln starten und nicht etwa in, von Glasfaser beglückten (und dadurch DSL freien), gebieten wie Königswinter.1

Auch die Postzustellung zu entlegenen Orten kostet Geld. Auch das Telefonnetz zu Häusern außerhalb von Ortschaften ist aufwendig. Wenn der Staat damals nicht selber die Investition in solche entlegenen Gebiete geschultert hätte, es ist fragwürdig, ob diese Anschlüsse heute im „Wettbewerb“ geschaffen würden. Die Telekommunikationsunternehmen behaupten zwar, dass der Wettbewerb bei der Beseitigung der weißen Flecken helfen soll, aber ich bin da anderer Meinung. Die Rechnung ob man lieber ein paar hundert potenzielle völlig unversorgte Kunden erreichen möchte oder aber ein paar millionen potenzielle Kunden, die aber alle schon die Möglichkeit eines Internetanschlusses haben, diesen aber problemlos wechseln können und bei guten Angeboten auch wollen, wird immer zu Gunsten der Millionen ausgehen. Deshalb sind ja auch die meisten Geschäfte in der nähe von Städten zu finden, auch wenn sie dort mehrfach vorhanden sind.

 

Fußnoten:

  1. In Köln herrscht ein großer Wettbewerb um die Breitband Internetkunden. Neben dem Telefonnetz der Telekom, dass fast überall (V-)DSL fähig ist, hat dort auch der lokale Netzbetreiber Netcologne ein großes Glasfasernetz gelegt, über das diverse Breitband-Multimedia-Dienste angeboten werden. „Weiße Flecken“ im Sinne der Breitbandinternetabdeckung finden sich in Köln nur sehr schwer. Dagegen gibt es in Königswinter kein DSL, da dort keine Kupferdrähte verlegt sind, sondern Glasfaser, auf denen die gängige DSL Technick nicht funktioniert. Auch das Kabelnetz ist in Königswinter nur sehr spärlich vorhanden, hier gibt es also große weiße Flecken. []
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Über Achim

Ich bin in Bad Godesberg auf das Konrad Adenauer Gymnasium gegangen und habe dort 2002 mein Abitur gemacht. Danach habe ich in Bonn Informatik studiert und habe den Studiengang 2008 mit Diplom abgeschlossen. Im Moment bin ich in der Forschung tätig. Außerdem bin ich einer von zwei Gründern von Tratschtante.de und im Moment hier der einzig aktive Schreiberling.