Nachdem sich mein letzter Artikel schon über die Gestaltungsarmut in der Politik der aktuellen Regierung gedreht hat und ich damit so richtig zu liegen scheine, dass sogar der Philosoph Habermas eine ähnliche “Abrechnung” mit Merkel erstellte, bin ich doch etwas geschmeichelt.
Das Problem von fehlendem Mut zur Gestaltung betrifft nicht nur die Politik. Auch in den Chefetagen größerer Unternehmen entwickelt sich oft eine ähnliche Angst vor Entscheidungen. Dieses zögerliche Rumlavieren kann Unternehmen bis zur Handlungsunfähigkeit lähmen. Dabei ist auch hier das Hauptproblem, dass die Manager lieber an ihr eigenes Fortkommen denken, als an das des Unternehmens. Begünstigt wurde diese Situation in der niemand freiwillig etwas gestalten will, wohl durch die Maxime des Sparens, die in den letzten Jahren in der Wirtschaft beliebt ist. Jede Investition erfordert eine Rechtfertigung, die oft niemand aus dem Führungskreis geben möchte, selbst wenn die Erfolgsaussicht der Investition nicht in Frage gestellt wird. Man kommt halt besser davon, wenn man sich nicht bewegt, als wenn man sich hinter ein Projekt stellt, was womöglich doch irgendwie scheitert.
Und genau hier liegt das Problem: In der Wahrnehmung “der Gesellschaft”. Es gibt ein paar Sprichwörter, die sich mit der Thematik befassen, z.B. “Wer nicht wagt, der nicht gewinnt” oder “Wer kämpft, kann verlieren. Wer nicht kämpft hat schon verloren”1, doch es sieht doch viel mehr so aus, dass jemand der nichts tut zwar auch nicht weiter auffällt, aber eben auch nicht bestraft wird. Politiker wie Manager müssen einfach nur abwarten, bis genügend ihrer aktiveren Kollegen “gefallen” sind und rücken dann ganz automatisch nach. Dieser Automatismus ist sehr schädlich. Er führt dazu, dass nicht Leistung belohnt wird, sondern Durchhaltevermögen. Wer keine Angriffsflächen bietet kann in einem solchen System nur aufsteigen, völlig unabhängig von seinen Leistungen. Ein gutes Beispiel dafür ist der neue FDP Chef Rösler. Er ist weniger durch seine eigenen Leistungen FDP Chef geworden, sondern eher durch das vermeintliche Versagen von Westerwelle.
Wie sehr ein aktiver Gestalter an vorderster Front in einem Unternehmen bewegen kann, beweist Google. Im Moment steht Larry Page unter Wirtschaftsexperten wieder einmal in der Kritik, weil er sich eben nicht auf das Kostensenken konzentriert, sondern auf die Erschließung neuer Geschäftsfelder, was mitunter hohe Investitionen fordert. Der Erfolg, den Google damit hat, gibt ihm ganz klar recht. Ich bin davon überzeugt, dass auch ein Kanzler oder eine Kanzlerin mit einer vernünftigen Vision ähnliches für sein Land schaffen kann. ![]()
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- Zitat Bertolt Brecht [↩]
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