Sicherheitsüberprüfungs-Gefasel

Jetzt fordern sie alle die Überprüfung der Sicherheit von Atomkraftwerken. Erst ordnet Merkel diese Prüfung für Deutschland an, dann fordert Oettinger das nochmal für die EU. Und was soll das bringen? Egal wie „sicher“ ein Atomkraftwerk ist, ein Restrisiko bleibt, dass eine beliebig redundant organisierte Kühlung dann doch noch ausfällt und dann schmilzt der Kern halt und wenn man noch etwas Pech dabei hat, geht das ganze Ding hoch und ein kompletter Landstrich ist verwüstet1. Was soll man da prüfen? Wie groß jetzt dieses Restrisiko ist? Das spielt eigentlich keine Rolle, da die Kosten einer nuklearen Katastrophe so exorbitant hoch sind, dass auch ein minimales Restrisiko ein AKW vom Erwartungswert her negativ machen für die Volkswirtschaft2.

Dieses ganze „Überprüfungs“-Gefasel ist doch nur hohle Rhetorik, damit man zu dem Ergebnis kommen kann, dass „so etwas“ bei den „super sicheren“ Kraftwerken in Deutschland/Europa nie passieren könnte. Dass man das so ganz 100% doch nicht durchbekommt, scheint aber wohl auch in der Unionsspizte klar, weshalb man jetzt mit den so genannten „Uraltmeilern“ ein Bauernopfer bringt, um die Verlängerung für die „modernen“ Kraftwerke aus den 80er Jahren zu retten. Dass diese auch zur zweiten Generation gehören und damit veraltet sind (aktuell ist die dritte Generation) und auch bei modernsten AKWs ein Restrisiko einer nuklearen Katastrophe immer bleiben wird, spielt bei der Rhetorik natürlich ebenfalls keine Rolle.

Nein, so nicht. Seid doch alle mal ehrlich. Warum sagt keiner: „Wir scheißen auf das Restrisiko, wir wollen das Geld jetzt noch mitnehmen und dann machen wir den Kram aus. Das ist jetzt schon mehr als 30 Jahre gut gegangen, die paar Jahre schaffen wir dann auch noch.“ Das wäre einmal ehrlich. Das könnte ich sogar als Aussage akzeptieren und den Menschen, der so ehrlich daher redet respektieren. Seine Meinung würde ich natürlich trotzdem nicht teilen, besser als das ganze „Wir sind so sicher“-rumgeeier der Unions-Typen ist es aber alle mal. Wie kann man so abgrundtief arrogant sein?

Ich vermute, dass eine solch ehrliche Meinung allerdings einen extremen Aufschrei unter den Atom-Gläubigen in der Union auslösen würde… Wahrscheinlich will man da den Kram mit dem Restrisiko immer noch nicht wahrhaben. Trotzdem wäre eine solche Aussage ein gelungener Einstieg in die „ehrliche Energiediskussion“ die Merkel heute fordert.

In diesem Sinne, bitte mehr Ehrlichkeit in der Diskussion!

 

Fußnoten:

  1. In Japan ist folgendes schief gelaufen: 1. Erdbeben => Kraftwerk heruntergefahren, umschalten auf Notstrom, 2. Tsunami => Alle Notstromaggregate ausgefallen, die deutlich redundant waren(!), 3. Innerhalb der Dauer, die mit Batteriestrom überbrückt werden konnte, ca. 8 Stunden, konnten keine Generatoren beschafft werden, die geholfen hätten… es kamen zwar Generatoren, da passten aber die Stecker nicht, AUTSCH!. Trotz Meer direkt vor der Tür ist damit die Kühlung erst einmal unterbrochen wurden => Problem! []
  2. Ganz abgesehen davon, dass in Deutschland die Atomkraftwerke von den 3 Monopolisten im Stromgeschäft geleitet werden und es Volkswirtschaftlich viel besser wäre mittelständische Betreiber von Windrädern, Biomasse-, Solar-, Photovoltaik- oder Wasserkraftwerken zu fördern. Das Müllproblem der Atomkraft ist auch immer noch völlig ungelöst! []
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Über Achim

Ich bin in Bad Godesberg auf das Konrad Adenauer Gymnasium gegangen und habe dort 2002 mein Abitur gemacht. Danach habe ich in Bonn Informatik studiert und habe den Studiengang 2008 mit Diplom abgeschlossen. Im Moment bin ich in der Forschung tätig. Außerdem bin ich einer von zwei Gründern von Tratschtante.de und im Moment hier der einzig aktive Schreiberling.