Integrationsansätze der FDP

Heute habe ich einen Artikel über Pläne der FDP zur Integration gelesen. Und ich muss echt erschreckt feststellen, dass sich diese Ideen verdammt gut anhören. Was wird von der FDP gefordert?

  • Muslimischer Religionsunterricht in deutscher Sprache – Hilft ganz sicher der Integration. Im Moment müssen muslimische Kinder in der Schule während dem „normalen“ Religionsunterricht Däumchen drehen und ihren eigenen Glauben dann nach der Schule in arabischer Sprache lernen. Eine Alternative wäre gewesen den Religionsunterricht ganz aus der Schule zu verbannen und dafür einen Religionsunabhängigen Ethikunterricht einzuführen, der sich eher mit Menschenrechten und Rechtsstaat beschäftigt. Aber nun gut, ein deutscher Unterricht für Muslime ist sicherlich erst einmal ein guter Kompromiss. Irgendetwas muss hier auf jeden Fall passieren.
  • Lehrstühle für islamische Theologie – Ähnlich wie Punkt eins. Im Moment kommen die Imame meistens aus arabischen Ländern und eher selten aus funktionierenden Demokratien und schon gar nicht aus westlichen Kulturkreisen. Wen wundert es also, dass sie ihren Schäfchen die westliche Kultur nicht nahe bringen können und auch nicht erklären können, wie sie ihren glauben mit dem Leben in der westlichen Gesellschaft vereinen können? Nein, Imame ausgebildet in Deutschland sind längst überfällig und bitter nötig, will man den Muslimen eine realistische Chance auf Integration geben.
  • Bekämpfung der Zwangsheirat durch eigenen Straftatbestand – Sicherlich ebenfalls überfällig. Wobei man argumentieren könnte, dass Zwangsehen auch durch andere Gesetze schon abgedeckt sind. Das ganze aber konkret zu machen, ist sicherlich nicht falsch in seiner Signalwirkung.
  • Sprachtests für alle Kinder mit 4 Jahren – Das ist ebenfalls sehr wichtig. Denn ganz anders, als der Name es vermuten lassen würde, lernen Kinder im Deutschunterricht auf der Schule eben kein Deutsch. Lernt das Kind in seiner Familie nicht ausreichend Deutsch sprechen, hat es in der Schule schlechte Startchancen und wird nur sehr schwer gute Leistungen erzielen, egal wie begabt es in allen Fächern ist, denn es kann  sich nicht richtig ausdrücken. Das betrifft tatsächlich auch deutsche Kinder, die aus Familien kommen, in denen ein starker Dialekt gesprochen wird (außer natürlich in Bayern, wo „bayrisch“ einfach in der Schule als richtig akzeptiert wird. ;))
  • Anerkennung ausländischer Abschlüsse – Hochgradig notwendig, gerade vor dem Hintergrund der demographischen Entwicklung. So gibt es Studien, die davon ausgehen, dass 2020 in Deutschland 6 Millionen Arbeitskräfte fehlen. Vor diesem Hintergrund verbieten sich auch Sarrazinische Ausländer-Raus-Ideen. Und das ganze wird ja nicht besser: Weniger Kinder, heißt weniger Mädchen, heißt weniger gebährfähige Frauen, heißt noch weniger Kinder. Die Zahl der Kinder fällt also schneller als linear! Außerdem würden Migranten mit anerkannten Ausbildungen auch deutlich mehr verdienen können und sich nicht mit minderwertigen Jobs rumschlagen müssen. Das fördert gleichzeitig auch wieder die deutsche Wirtschaft und durch mehr Steuern den deutschen Staat. Ganz klare Win-Win Situation. Insbesondere Einwanderer mit langjähriger Berufserfahrung sollte man direkt im alten Job wieder arbeiten lassen.
  • Elternarbeit für Mütter ohne Arbeit – Einer der eher merkwürdigen Punkte. Die Idee dahinter ist, dass sich die Migrantenmütter mit deutschen Eltern zusammen setzen (müssen), und so nicht nur Kontakte in ihrem engen Umfeld haben, was gerade in den „Ghettos“ zu sehr schlechter Integration führt. Es ist ein Ansatz, den man ruhig mal ausprobieren sollte… eine Alternative wäre, Migrantenfrauen gezielt bei der Fortbildung und Jobsuche zu fördern.
  • Einbürgerung nach vier Jahren – Bisher sind es acht Jahre, die jemand hier gewesen sein muss, um sich einbürgern lassen zu können. Auch das kann nur ein erster Schritt sein. Denn, die Frage muss erlaubt sein, was soll die feste Zeitgrenze? Wenn jemand nach einem Jahr einen Job hat und ausreichend Deutsch spricht, um sich mit den Behörden rumschlagen zu können, was spricht dann dagegen ihn direkt einzubürgern, damit er auch weiterhin ein produktives Mitglied der deutschen Gesellschaft ist? Gerade die gut ausgebildeten Einwanderer ziehen uns viel zu schnell wieder weg.

Alles in allem begibt sich die FDP hier also auf einen viel versprechenden Weg. Sehr schön, dass man hier die liberalen Wurzeln der Partei wohl einmal wieder ernst genommen hat und kurz über das nachgedacht hat, was man vorbringt. Wobei diese Konzepte sicherlich alle schon seit einiger Zeit in der Partei gären und auf einen günstigen Zeitpunkt gewartet haben, angesprochen zu werden. Es wird interessant werden, wie viel davon so durch kommt. Leider ist anzunehmen, dass die Christlichen-Fanatiker und Radikalen in der Koalition sich insbesondere gegen die Punkte der Integration von Muslimen, sehr sperren werden. Auch „Turbo-Einbürgerung“ wird dem „Konservativen“-Geist der Union große schmerzen bereiten, genau wie es der Überheblichkeit der Deutschen sicherlich nicht in den Sinn kommen wird „ausländische“ Abschlüsse als Gleichwertig zu den deutschen Super-Ausbildungen anzuerkennen.

Man darf gespannt sein, ob hier wirklich einmal Rational einige der dringenderen Probleme in der Integration angegangen werden können (wobei man, sicherlich taktisch geschickt, die Bildungsfrage fast vollkommen ausklammert), oder ob man sich in der Union dann doch lieber auf Sarrazinische Unwege begibt. Ich hoffe, dass es dieses Konzept bis in den Bundestag bringen wird. Ich bin allerdings skeptisch, da ich das Gezeter von Seehofer & Co schon fast wörtlich in meinem Kopf hören kann. Warum koalieren die liberalen noch einmal mit den konservativen? Ich habe es immer noch nicht verstanden…

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Über Achim

Ich bin in Bad Godesberg auf das Konrad Adenauer Gymnasium gegangen und habe dort 2002 mein Abitur gemacht. Danach habe ich in Bonn Informatik studiert und habe den Studiengang 2008 mit Diplom abgeschlossen. Im Moment bin ich in der Forschung tätig. Außerdem bin ich einer von zwei Gründern von Tratschtante.de und im Moment hier der einzig aktive Schreiberling.