Handschrift? Überholte Technik

Es gibt Leute, die den Verfall der Handschrift bemängeln [1]. Ich gehöre sicherlich nicht dazu. Ich fand mit Stiften schreiben schon immer extrem lästig, weil es auch viel länger dauert, als mit der Tastatur und ziemlich unpraktisch ist, insbesondere, wenn man sich mal verschreibt. Außerdem bin ich Linkshänder und verwische entweder alles, was ich schreibe direkt wieder mit der nachrückenden Hand, oder muss mir das Handgelenk verrenken, was mein Bedürfnis nach Handschriftlichenwerken noch zusätzlich reduziert. Kurz: Meine Handschrift war schon immer eine Sauklaue und ich war nie besonders traurig darüber.

Ich kann aber auch nichts schlechtes daran finden, dass mit der Hand schreiben zunehmend unwichtiger wird. Ich kenne nur sehr wenige Leute, die eine leserliche Handschrift haben. Bei den allermeisten meiner Bekannten bin ich daher sehr froh, wenn ihre Mitteilungen an mich irgendwie elektronisch entstanden sind, dann kann man sie wenigstens auch entziffern. Und genau das ist auch das größte Problem der Handschrift: Als Informationsträger ist sie ziemlich unzuverlässig. Sie unterliegt viel zu vielen Schwankungen und ihr komplettes Erscheinungsbild ist vom Schreiber abhängig. Je nachdem gibt es auch Unterschiede nach Herkunft oder Alter des Schreibers, die das entziffern noch deutlich verkomplizieren. Kurz: Schreibschrift ist einfach nicht geeignet als Informationsträger.

Ähnliches haben Menschen auch schon mit anderen Formen der Informationsträger durchgemacht. Es gab sicherlich auch Menschen, die es für ziemlich fürchterlich gehalten haben, dass die Leute plötzlich „auf Papier schreiben“ und nicht mehr, wie es sich gehört, in Stein meißeln oder auf Tontafeln kritzeln. Steine mitschleppen ist halt äußerst unpraktisch und Tontafeln gehen relativ schnell kaputt. Da war Papier schon ein Fortschritt und hat sich durchgesetzt. Dass die Leute heutzutage so viel wie möglich elektronisch erledigen, ist ja auch kein böser Wille. Auch mit dem Zeitdruck auf der Arbeit hat das ganze, denke ich, wenig zu tun. Ein elektronischer Text hat eben Vorteile: Leicht lesbar, gut korrigierbar, gut archivierbar, kann elektronisch durchsucht werden, kann elektronisch übermittelt werden (SMS, E-Mail usw.). Das alles bietet Papier oder die Handschrift nicht. Und daher ist es vollkommen natürlich, dass die Gesellschaft sich weiter entwickelt und die Vorzüge der neuen Technologie auch genießt. Menschen, die dann die Handschrift als ihr Hobby entdecken, wird es sicherlich geben und das ist auch gut so, sie sollen nur den Rest der Menschheit im Druckschrift-Zeitalter leben lassen. 🙂

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Über Achim

Ich bin in Bad Godesberg auf das Konrad Adenauer Gymnasium gegangen und habe dort 2002 mein Abitur gemacht. Danach habe ich in Bonn Informatik studiert und habe den Studiengang 2008 mit Diplom abgeschlossen. Im Moment bin ich in der Forschung tätig. Außerdem bin ich einer von zwei Gründern von Tratschtante.de und im Moment hier der einzig aktive Schreiberling.

2 Gedanken zu „Handschrift? Überholte Technik

  1. Botchi

    Jede handschrift ist individuel. Du wirst niemals zwei exakt gleiche handschriften finden. Zudem strahlt jede handschrift auch eine gewisse persoenlichkeit aus und kann viel ueber den schreiber sagen sagen. mir ist klar das es auch gedankliche individualitaet gibt….
    Im grossen und ganzen finde ich einen hand geschrieben brief persoenlicher und es ist etwas was mann anfassen kann und auch irgendwo aufbewahren.

    Ich will jetzt nicht zuweit ueber den teller rand springen aber wenn wir alles so sehen wuerden und einfach mit jedem technischen vortschritt mitlaufen wo wuerde die menscheit enden? Ist alles was uns zeit und geld spart wirklich immer gut? Unter diesen rahmenbedingen koennte ich dann ja auch sagen das ich von nun an nur noch im internet reise weil google ja sowieso von allem fotos gemacht hat, brauch dann ja nicht mehr fliegen und nen hotel buchen… Ist aber schon nen unterschied da gewesen zu sein.

    Es ist auch nett einen parfuermierten brief auf nettem leinen papier zu bekommen.

    Hoffe das du mein gedanken ein bisschen nachvolziehen kannst.

    Greetz from VT

    1. Achim Beitragsautor

      Jede Handschrift ist individuell? Bei mir ist sogar jeder Buchstabe individuell, auch wenn das Gekrakel eigentlich identische Buchstaben sein sollten, ist das oft auf den ersten Blick nicht zu erkennen. 🙂
      Natürlich hat das einen gewissen Charme und ruft bei dem Leser sicher auch ein gewisses Erfolgserlebnis hervor, wenn er doch noch entziffern konnte, was da steht.

      Natürlich ist ein Handgeschriebener Brief mit schönem Füller und auf gutem Papier etwas besonderes… zumindest, wenn der Schreiber eine vernünftige Handschrift hat. Einen solchen Brief wird von mir nie jemand bekommen, schon allein, weil ich auf Grund meiner Linkshändigkeit große Probleme mit Füllern habe und alles verschmiere. Trotzdem find ich es gut, wenn Leute handschriftliche Briefe oder auch Nachrichten auf Zetteln schreiben und das ist gut so.

      Aber bei allem offiziellen, bei Formularen für Behörden, Einreiseformularen, Bankangelegenheiten und so weiter ziehe ich ganz klar Möglichkeiten des elektronischen Ausfüllens vor. Warum? Weil es deutlich schneller geht… Handschriftlich muss ich mich entweder extrem zusammenreißen oder benötige mehrere Versuche. Das nervt. 😉

      Jedem sind aber auch da seine eigenen Gedanken erlaubt. 🙂

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