100% Ökostrom? Technisch kein Problem, aber politisch…

Eine Studie des Bundesumweltamtes kommt zu dem Ergebnis, dass es möglich ist bis 2050 den Strombedarf Deutschlands komplett aus „Ökostrom“ zu befriedigen. Da frage ich mich, wer denn daran ernsthaft gezweifelt hat? Jetzt mal die Lobbyisten der großen Stromkonzerne und von ihnen „beeinflusste“ Politiker ausgenommen. Wahrscheinlich wussten sogar die Stromkonzerne, dass es durchaus „möglich“ ist komplett auf erneuerbare Energie umzustellen. Das Problem dabei ist nur: Gerade für die großen Stromkonzerne wird das ganze unbequem. Auch das ein wenig überraschendes Ergebnis der Studie: Das deutsche Stromnetz müsste ausgebaut werden, um Leistung von Norden, z.B. von Offshore-Windparks, nach Süden transferieren zu können. Außerdem braucht man Stromspeicher im Stromnetz um die Produktionsschwankungen auffangen zu können. Das ist alles keine Hexerei, kostet aber Geld. Gleichzeitig würden natürlich die aktuellen Kraftwerke der Stromkonzerne überflüssig und würden damit kein Geld mehr in die Kasse spülen. Warum also sollten sie das wollen?

Nicht umsonst, kommt der Chef des Bundesumweltamtes zu einem weiteren, wenig überraschenden Schluss: Es müssen möglichst schnell und entschlossen auf politischer Ebene die richtigen Weichen gestellt werden. Sooo… und da sind wir schon beim Knackpunkt. Technisch ist das nämlich sehr wohl zu meistern. Auch finanziell würde so ein Umstieg Deutschland nicht schaden, er würde massive Förderung des Mittelstandes auf Kosten von ein paar wenigen Mammut-Konzernen bedeuten. Und den Mittelstand fördert doch angeblich die FDP so gerne… bringt ja auch mehr Geld und Arbeitsplätze für Deutschland. Also, das Problem bleibt die Politik. Leider muss man sagen, dass man sich damit schon wieder weit von dem Attribut „möglich“ entfernt hat und eher „fraglich“ setzen müsste, so wie bei eigentlich allen Problemen, die in Deutschland auf politischer Ebene gelöst werden sollten. Denn entschlossenes und weitsichtiges Handeln, das traue ich der aktuellen Regierung, aber auch dem meisten in der Opposition, beim besten Willen nicht zu.

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Über Achim

Ich bin in Bad Godesberg auf das Konrad Adenauer Gymnasium gegangen und habe dort 2002 mein Abitur gemacht. Danach habe ich in Bonn Informatik studiert und habe den Studiengang 2008 mit Diplom abgeschlossen. Im Moment bin ich in der Forschung tätig. Außerdem bin ich einer von zwei Gründern von Tratschtante.de und im Moment hier der einzig aktive Schreiberling.

4 Gedanken zu „100% Ökostrom? Technisch kein Problem, aber politisch…

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  3. Zeromant

    Letztlich läuft es alles wieder einmal auf die Frage hinaus: Welche realistischen Handlungsspielräume hat die Politik heute denn noch? Ist Politik gegen Lobby-Interessen überhaupt noch möglich?

  4. Achim Beitragsautor

    Naja, da muss man aufpassen, dass man den Begriff „Lobby“ nicht zu eng fasst. Auch der Umstieg auf Ökostrom ist ja ein Lobby-Interesse, dass Umweltverbände (eben auch eine „Lobby“) schon lange vorbringen. Eigentlich sollte eine Lobby ihre Interessen der Politik mit entsprechenden Argumenten darlegen und die Aufgabe des Politikers ist, zwischen den gegenläufigen Interessen abzuwägen und einen geeigneten Mittelweg zu finden.

    Das Problem, was man im Moment beobachten kann, sind meiner Meinung nach weniger die Lobby-Gruppen an sich, sondern, dass die Entscheidungen, welcher Lobby-Gruppe man nun wie viel Gehör schenkt sehr einseitig ist.
    Interessanterweise scheint wohl viel Geld dazu notwendig zu sein, um von einem Politiker ernst genommen zu werden.

    Ich glaube, dass die Politik alle Handlungsspielräume hat, wenn die Politiker das denn wollen. Aber man hat ja das Parlament im Prinzip völlig entmachtet. Gesetzesvorschläge werden in Ministerien (mit Hilfe von „externen“ Mitarbeitern, also von Unternehmen bezahlten) ausgearbeitet, in der „Koalition“ diskutiert und danach dann halt angenommen. Wann kommt es vor, dass Parlamentarier ihren Auftrag ernst nehmen und über einen Gesetzesentwurf und ihr Abstimmverhalten nochmal nachdenken? Wie viele Politiker sind an einem durchschnittlichen Gesetzesentwurf beteiligt?

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