Socialpayment – Inhalte sollten keine Ware sein

Letztens bat mich jemand darum ihm eine Musik CD zu brennen. So etwas ist in den Zeiten von illegalen und simplen Downloads aus dem Internet sicherlich eine Seltenheit. Trotzdem musste ich die Bitte ablehnen. Raubkopieren ist zwar mittlerweile definitiv ein Kavaliersdelikt, auch wenn die Musikbranche das gerne anders sehen möchte. Es widerstrebt mir aber weniger wegen den gesetzlichen Strafen, die ich fürchten müsste, als viel mehr wegen der Konsequenz der Tat.

Der Grund für Raubkopien liegt, meiner Meinung nach, nicht in der Schlechtigkeit der Menschen im allgemeinen oder weil die Menschen nicht dafür bereit wären für gute Inhalte auch zu zahlen. Die Musikindustrie hat zu der aktuellen Situation selber fundamental beigetragen.

Denn: Die Musikindustrie (und genauso auch andere Inhaltsanbieter, wie die Filmindustrie oder aber auch die Presse) haben dafür gesorgt, dass ihre Inhalte zu „Waren“ verkommen. Musik ist heute eine Ware, die man, wie alle anderen Waren auch, möglichst billig kaufen möchte. Könnte man Obst mit ähnlich geringem Aufwand verlustfrei kopieren, die Leute würden es tun und das auch völlig zu recht. Bei normalen Konsumgütern kommt es für den Kunden darauf an, das (subjektiv) beste Preis/Leistungsverhältnis zu erreichen. Und ein Preis von 0 bedeutet nun einmal ein sehr gutes Verhältnis.
Das Problem dabei ist, dass Inhalte, anders als andere Waren zu behandeln sind. Kauft man eine Musik-CD, dann bezahlt man das Geld eben nicht für die CD an sich. Diese stellt nur den Datenträger da und ist tatsächlich nur ein Pfennigartikel. Man zahlt dafür den Inhalt der CD zu konsumieren, also die Musik zu hören. Damit gibt man der Musik erst eine Existenzberechtigung und unterstützt aktiv den Künstler. Nur wessen Inhalte konsumiert werden, der produziert weitere Inhalte. Und genau um diese Unterstützung sollte es bei dem Kauf von Musik eigentlich drehen. Die CD ist nur eine nette Beigabe, eigentlich geht es um ein Statement, welche Inhalte einem gefallen, wovon man mehr haben möchte.
Dieses Statement geht durch das Raubkopieren natürlich verloren. Es ist in der Hinsicht sogar noch schlimmer eine CD illegal zu brennen, als sie aus dem Laden zu stehlen.

Wenn man sich die Artikel zu flattr und ähnlichem durchgelesen hat [1][2], dann weiß man jetzt auch, wie es weiter geht: Gerade dieses „social payment“ bietet für Inhaltsanbieter und Urheber geistigen Eigentums die Möglichkeit Inhalte von dem fatalen Image der „Ware“ zu befreien und Wert auf den unterstützenden Faktor zu legen.

Ich hoffe, dass social payment sich in dieser Hinsicht durchsetzen kann. Ich bin davon überzeugt, dass die meisten Menschen freiwillig für Inhalte, die ihnen zusagen, zahlen. Gerade für die gebeutelte Presse, sehe ich die Chancen in freiwilligen und möglichst einfachen Bezahlsystemen, bei denen man nach dem Konsum der Inhalte zahlt, viel höher, als in Bezahlbarrieren.

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Über Achim

Ich bin in Bad Godesberg auf das Konrad Adenauer Gymnasium gegangen und habe dort 2002 mein Abitur gemacht. Danach habe ich in Bonn Informatik studiert und habe den Studiengang 2008 mit Diplom abgeschlossen. Im Moment bin ich in der Forschung tätig. Außerdem bin ich einer von zwei Gründern von Tratschtante.de und im Moment hier der einzig aktive Schreiberling.