Warum verstehe ich die Parolen der FDP eigentlich meistens falsch?

Warum verstehe ich eigentlich die Parolen der FDP so oft falsch? Es gibt bei den Kampagnen für die Landtagswahl in NRW dieses Plakat, auf dem steht „Arbeit muss sich lohnen“. Die Assoziation, die ich da beim ersten Anblick hatte, ist „gesetzlicher Mindestlohn“. Das brachte mich dann zum stutzen, als ich mich gefragt habe, seit wann Linke, SPD oder Grüne mit gelben Plakaten werben. Da ist mir aufgegangen, dass es sich um ein Plakat der FDP handelt und dass sie gar keinen Mindestlohn damit meinen, sondern Steuersenkungen auf Pump und was sonst noch… also ein alternativer Slogan zu „Mehr Netto vom Brutto“, den sie in der Bundestagswahl genutzt haben. Diese Verbindung war mir wohl nicht klar, denn meine Arbeit lohnt sich und bevor ich die Steuern senken würde, würde ich mir eher wünschen, dass man die Schulden ein wenig abbaut. Immerhin geben wir ja mehr als 30 Milliarden €  für Zinsen im Jahr aus, durch neue Steuersenkungen wird das in keinem Fall weniger und führt nur dazu, dass ich die neuen Schulden später durch noch höhere Steuern wieder abbezahlen muss. Ganz klar funktioniert bei mir also die Assoziationskette hier nicht so, wie bei liberalen Politikern.

Auch bei dem Slogan „Schulvielfalt statt Einheitsschule“ passt meiner Meinung nach nicht zum Programm der „Liberalen“. Denn, was man erreichen will, ist, dass die Gymnasien als Eliteschulen erhalten bleiben und „darunter“ eine Mittelschule für den Rest existiert. Man will also das aktuelle Schulsystem, was Schüler in drei Leistungskategorien zwängt nochmal verschlimmern und nur noch zwei Kategorien haben. Diese würde ich viel eher als „Einheitsschulen“ betiteln. Die Idee der Gesamtschulen, die man bei Liberalen und Union ablehnt und versucht als „Einheitsschulen“ zu diffamieren, ist ja gerade, dass Kinder individuell nach ihren Fähigkeiten gefördert werden. Es mag tatsächlich der Fall s ein, dass die Kinder alle im gleichen Gebäude sind, aber gerade Kinder, die in verschiedenen Fächern unterschiedlich stark sind, hängen im aktuellen Schulsystem „zwischen“ den Schulen und hätten mit mehr Gesamtschulen auch mehr Chancen. Diese Einheitsschule diversifiziert also viel mehr, als es im Moment der Fall ist.

Lustig fand ich im Bundestagswahlkampf zu dem Thema auch den Slogan mit „Bildung ist ein Bürgerrecht“. Dazu muss man wissen, dass die FDP in NRW Studiengebühren eingeführt hat (Pinkwart ist immerhin Kultusminister), was einen dann vor die Frage stellt, wie die FDP „Bürger“ nun definiert. Es scheinen damit wohl nicht alle „Subjekte“ mit deutschem Pass gemeint zu sein. In der Hinsicht sind auch andere Slogans der FDP, die deren „Bürger“ enthalten nochmal zu überdenken.

Alles in allem muss ich sagen, dass die Kampagne der Liberalen in diesem Landtagswahlkampf die schlimmste Kampagne der großen Parteien wahr. Wer noch Informationsbedürfnisse vor der Wahl morgen stillen will, der sollte sich auf Andreas Grieß Blog umschauen (z.B. hier. hier, oder hier). Das Blog ist sehr interessant, was das angeht. Auch die Duelle der Kandidaten wurden dort kommentiert. Und bloß nicht vergessen morgen wählen zu gehen! Gar nicht wählen ist noch viel schlimmer als „falsch“ zu wählen. 😉

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Über Achim

Ich bin in Bad Godesberg auf das Konrad Adenauer Gymnasium gegangen und habe dort 2002 mein Abitur gemacht. Danach habe ich in Bonn Informatik studiert und habe den Studiengang 2008 mit Diplom abgeschlossen. Im Moment bin ich in der Forschung tätig. Außerdem bin ich einer von zwei Gründern von Tratschtante.de und im Moment hier der einzig aktive Schreiberling.