Ossis sind kein Volksstamm und das ist gut so!

Ein Arbeitsgericht hat festgestellt, dass „Ossis“ keine eigener Volksstamm sind. Dieses Urteil ist meiner Meinung nach durchaus positiv. Denn die Feststellung, dass Ossis kein eigener Volksstamm sind, halte ich für richtig. Gerade die Behauptung, dass Ossis irgendwie „anders“ sind führt doch erst zur Diskriminierung als „Ossi“. Man sollte daher bloß nicht auch noch offiziell feststellen, dass Ossis ein eigener Volksstamm (und damit anders) sind, sondern sich lieber gegen den Gebrauch der Bezeichnung Ossi wehren. 😉

Trotzdem hat das Urteil auch etwas sehr negatives. Im konkreten Fall ging es darum, dass eine Firma eine Bewerberin abgelehnt hatte und auf den Bewerbungsunterlagen der Vermerk „Ossi“ zu sehen war mit einem Minus davor. Die Behauptung der Firma, dass die Notiz „Ossi“ nicht negativ, sondern im Gegenteil positiv gemeint sei, halte ich für ziemlich dreist erlogen zur Schadensbegrenzung.

Man muss schon davon ausgehen, dass die Bewerberin durchaus auch wegen ihrer Herkunft abgelehnt wurde und vollkommen zurecht geklagt hat. Auch kann man durchaus davon ausgehen, dass dieser Fall kein Einzelfall ist, sondern nur durch einen dummen Zufall ans Licht gekommen ist und das mit anderen Ablehnungen aus gleichem Grund nicht passiert.

Daher sollte man eine Ablehnung von Bewerbern auf Grund der Herkunft verhindern. Genauso wie man alle anderen Dinge, für die der Bewerber nichts kann, die ihm also „angeboren“ sind, als Ablehnungsgrund verhindern. Der Vorschlag von anonymisierten Bewerbungen ist hier sicherlich richtig, so kann bei der Bewerbung Diskriminierung tatsächlich effektiv ausgeschlossen werden.

Trotzdem sollte man über eine Verschärfung des Allgemeinen Gleichstellungsgesetzes (AGG) nachdenken, denn das AGG gilt auch für das Verhältnis zwischen Arbeitnehmer und Arbeitgeber während einer Beschäftigung und nicht nur während der Bewerbung. Und Leute Aufgrund ihrer örtlichen Herkunft zu diskriminieren ist sicherlich genauso unsinnig, wie Leute aufgrund ihrer ethnischen Herkunft zu diskriminieren… Man kann auch vermuten, dass die geistigen Hintergründe ähnlich sind. 🙂

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Über Achim

Ich bin in Bad Godesberg auf das Konrad Adenauer Gymnasium gegangen und habe dort 2002 mein Abitur gemacht. Danach habe ich in Bonn Informatik studiert und habe den Studiengang 2008 mit Diplom abgeschlossen. Im Moment bin ich in der Forschung tätig. Außerdem bin ich einer von zwei Gründern von Tratschtante.de und im Moment hier der einzig aktive Schreiberling.