Türkische Gymnasien? Eher türkische Grundschulen

Kurz vor einem Treffen mit Kanzlerin Merkel fordert der türkische Ministerpräsident Erdogan türkische Gymnasien in Deutschland. Diese Forderung begründet er damit, dass türkische Einwanderer erstmal ihre Sprache, also Türkisch, richtig lernen sollten und dann Deutsch. Auch verweist er auf deutsche Gymnasien in der Türkei.

Ich halte diese Forderung, ausnahmsweise einmal übereinstimmend mit unserer aktuellen Regierung, für zweifelhaft. Der türkischstämmige FDP Politiker Tören gibt zu dem Argument, dass es auch deutsche Gymnasien in der Türkei gäbe ein gutes Argument: Die deutschen Gymnasien in der Türkei werden von der „Elite“ besucht, die sich damit größtenteils auf ein Auslandsstudium in Deutschland vorbereitet. Die Türken in Deutschland, die Probleme mit deutsch und/oder türkisch haben, gehören aber eher den „bildungsfernen Schichten“ an.

Versäumnisse der Deutschen Bildungspolitik

Trotzdem hat Erdogan nicht ganz unrecht, wenn er Deutschland in der Bildung von Einwandererkindern Versäumnisse vorwirft. Wenn jemand, der hier geboren ist und hier in die Schule gegangen ist, nach seiner Schulausbildung kein Deutsch kann, dann hat das Bildungssystem ganz einfach versagt, da gibt es keine Diskussion. Und wenn dieses Problem nicht nur einzelne „Unbelehrbare“ betrifft, sondern eine ganze ethnische Gruppe, dann ist am System etwas faul.

Wer einmal in einer deutschen Grundschule war, der weiß auch was faul ist: Das deutsche Schulsystem ist einfach nicht darauf vorbereitet, dass jemand, der eingeschult wird kein Deutsch kann. Es werden ja nicht einmal die Dialekte der deutschen Sprache vernünftig und systematisch ausgebügelt. Wenn dann einer gar kein Deutsch sprechen oder gar verstehen kann, dann kann er in der deutschen Schule auch nicht viel lernen.

Trotzdem keine türkischen Gymnasien

Allerdings ist es im Gymnasium viel zu spät sich um das Sprachproblem zu kümmern. Sinnvoller wären türkische Grundschulen und zwar in dem Sinne, dass sie darauf vorbereitet sind, dass eingeschulte Kinder noch kein Deutsch können. So sollten daher auch entsprechende Lehrkräfte vorhanden sein, die mit den Sprachen der Eltern der Kinder vertraut sind1 und den Kindern erst einmal vernünftig und ausführlich Deutsch beibringen, damit diese in ihrer weiteren Schulbildung nicht (durch die Sprache) benachteiligt werden.

Lustigerweise ist man dann allerdings schnell bei einer Forderung der Grünen aus dem letzten Wahlkampf, die für alle Kinder einen verpflichtenden Deutsch-Test bei der Einschulung fordern und darauf basierend Sprachförderung von Kindern, die bei dem Test nicht gut abschneiden. Diese Verpflichtung für alle Kinder könnte selbst den Bayern helfen Deutsch zu lernen. 😉

http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,685438,00.html

 

Fußnoten:

  1. Das Sprachproblem betrifft ja nicht allein die Türken []
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Über Achim

Ich bin in Bad Godesberg auf das Konrad Adenauer Gymnasium gegangen und habe dort 2002 mein Abitur gemacht. Danach habe ich in Bonn Informatik studiert und habe den Studiengang 2008 mit Diplom abgeschlossen. Im Moment bin ich in der Forschung tätig. Außerdem bin ich einer von zwei Gründern von Tratschtante.de und im Moment hier der einzig aktive Schreiberling.