Anreiz für Arbeit

Nun meldet sich auch die Kanzlerin zu den Äußerungen von Westerwelle zu Wort [1]. Sie stimmt Westerwelle nicht darin zu, dass die Hartz IV Sätze unbedingt gesenkt werden müssen, allerdings fordert sie, dass „Anreize für eine Arbeit verbessert werden“.

Ich finde diese Forderung nach „Anreizen für Arbeit“ immer sehr interessant. Hartz IV bekommen Langzeitarbeitslose, die zum großen Teil auch schon vor den Hartzreformen arbeitslos waren und, wenn überhaupt, nur schlechte Ausbildungen haben. Insofern haben diese Leute, selbst wenn sie sich intensiv bemühen, keine Chance auf dem Arbeitsmarkt. Insofern wäre es doch mal sinnvoll, statt „Anreizen für Arbeit“ lieber „Möglichkeiten für Arbeit“ zu schaffen und sei es durch vernünftige und von der Wirtschaft anerkannte Fortbildung solcher Langzeitarbeitsloser, die heute als hoffnungslose Fälle gelten.

Dies mal als „Anreiz für Arbeit“ an unsere Regierung. 🙂

Update

Ich finde die Idee in Holland gar nicht schlecht. Dort werden Arbeitslose komplett eingebunden, sie bekommen subventionierte Arbeit oder Ausbildungen und zusätzlich müssen sie ein Fitnesstraining absolvieren. Wer alles mit macht, kann mehr Geld bekommen, als in Deutschland. Wer sich verweigert, kann auch alles gestrichen bekommen.

Gerade auch die Idee mit dem Fitnesstraining finde ich gut. Es wird sich um die Arbeitslosen gekümmert und das auch in ihrer Freizeit und in Gesundheitsdingen. Das gibt sicherlich auch einen gewissen Motivationsschub für die Arbeitslosen.

Noch besser finde ich aber die Idee eines bedingungslosen Grundeinkommen für alle Deutsche. Das schöne hieran ist, dass keinem Menschen Stempel aufgedrückt würden, wie es jetzt ist. Jetzt ist man ja ein Arbeitsloser oder ein Sozialhilfeempfänger oder was auch immer… mit diesem Grundeinkommen wäre man einfach ein Mensch ohne weiteres Einkommen. Außerdem würde das System extrem vereinfacht werden und der ganze Bürokratische Wasserkopf würde wegfallen. Aber das ist wohl der wahrscheinlichste Grund, weshalb so ein System in Deutschland völlig chancenlos ist: Wann wurde hier schon einmal durch eine Reform etwas vereinfacht?

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Über Achim

Ich bin in Bad Godesberg auf das Konrad Adenauer Gymnasium gegangen und habe dort 2002 mein Abitur gemacht. Danach habe ich in Bonn Informatik studiert und habe den Studiengang 2008 mit Diplom abgeschlossen. Im Moment bin ich in der Forschung tätig. Außerdem bin ich einer von zwei Gründern von Tratschtante.de und im Moment hier der einzig aktive Schreiberling.

2 Gedanken zu „Anreiz für Arbeit

  1. Sababa

    Ich weiss ich habe nun vielleicht zu oft meine Meinung vertreten aber den muss ich noch draufgeben.

    In meinen augen sollten diese Menschen wenigsten irgendwas machen. Was bringt es denn so leutz nen Leben lang auf der Couch sitzten zu lassen. Lass die doch wenigsten gemeinnuetzige Arbeit tun, Stadt reinige, Muell einsammeln, einfach eine bereicherung fuer alle sein, dann juckt es mich nur halb so sehr ob die nun 10 oder 20 jahre arbeitslos sind. Zudem wuerde so eine art zwangsbescheftigung die menschen auf dem laufenden halten, regelmaesig frueh aufstehen erfuellt fuehlen usw… Menschen die lange zeit nicht arbeiten fangen an zu resignieren danach kommen depressionen und es wird zu einer art krankheit, somit lasst sie wenigsten aktiv bleiben und nuetzlich sein.

  2. Moses Beitragsautor

    Die Vorschläge sind ja nicht neu und ich halte die auch für sehr richtig…
    Das Gegenargument, das dann immer kommt ist: Dass die Arbeitslosen dann ja den anderen Arbeitern die Jobs wegnehmen würden… und auch bei den 1-Euro-Jobs hat sich die ganze Debatte hauptsächlich darum gedreht, dass dadurch „normale“ Jobs verloren gehen würden.

    Aber es gibt auch Dinge, wie du sagst, die keiner machen will bzw. für die Keiner bezahlt wird. Z.B. liegt auch in den Wäldern oder an großen Straßen viel Müll rum, den keiner einsammelt. Sowas könnten Arbeitslose tatsächlich in organisierten Aktionen aufräumen…

    Wobei man da auch vorsichtig sein sollte, denn das erlaubt es der restlichen Bevölkerung natürlich, sich deutlich weniger um den Müll zu kümmern und ihn einfach wegzuwerfen. Ich war letztes Jahr in Finnland und an einem milden Sommerabend saßen im Park sehr viele Gruppen von Jugendlichen. Diese haben Alkohol getrunken und die leeren Dosen und Flaschen einfach hinter sich geworfen. Das haben wirklich alle so gemacht und ich fand das schon ziemlich merkwürdig… und nachdem ich mir das dann eine Zeit lang angeguckt hab und mich ein wenig geärgert hab, dass die alle ihren Müll „einfach so“ wegwerfen, hab ich dann gesehen, dass Arbeitslose oder arme Menschen dann gekommen sind und all die Flaschen wieder eingesammelt haben um den Pfand zu bekommen.

    Ich find es zwar gut, wenn diese Jugendliche auf diese Art und Weise die Bedürftigen durch den Flaschenpfand unterstützen, aber ob es so toll ist, dass die lernen den Müll im wahrsten Sinne des Wortes „einfach hinter sich zu werfen“, weiß ich auch nicht… Da sind wir dann wieder bei der Moral. 😉

    Grundsätzlich kann Beschäftigungstherapie für Arbeitslose aber auch nur das Symptom bekämpfen…

    Ich finde es sinnvoller, die Arbeitslosigkeit selber zu bekämpfen. Was für Chancen hat denn jemand ohne Schulabschluss, der nichts gelernt hat und vielleicht irgendwo mal 10 Jahre am Fließband stand?
    Junge Leute können dann vielleicht noch zu McDonalds oder so gehen… aber die stellen da auch keinen >40 ein um an der Kasse zu stehen.

    Ich denke man muss Lösungen suchen, solchen Leuten die „offiziell“ nichts können (jeder kann irgendwas) irgendwie zu helfen wieder irgendwas zu arbeiten… und wenn man sie nur irgendwie dazu bringt in Handarbeit irgendwas zu basteln und auf dem Flohmarkt zu verkaufen.

    So, erstmal meine gedanklichen Ergüsse dazu. 😉

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