Lehrer sollten Schüler nicht benoten

Wie in den Medien zu hören war, hat letzte Woche ein Schüler in einer Berufsschule in Ludwigshafen einen Lehrer umgebracht, weil er sich von diesem zu schlecht Benotet gefühlt hatte [1]. So eine Tat ist natürlich schrecklich und es gibt sicherlich einige Faktoren, die zusammenspielen müssen, damit so etwas passiert.

Ich habe mir zu dem Thema Schüler, Lehrer und Schule schon 2002, nach dem Amoklauf in Erfuhrt Gedanken gemacht. Damals war ich selber noch Schüler und war ziemlich enttäuscht von der Aufarbeitung des Amoklaufs in Erfuhrt. Damals ging es, ähnlich wie in Winenden, fast ausschließlich um „Killerspiele“ als alleinige Ursache, was meiner Meinung nach (und nach der Meinung vieler Experten) ziemlich albern war.

Wie schon einleitend gesagt: Es müssen ganz klar viele Faktoren zusammen kommen um so eine Tat auszulösen und ich bin auch davon überzeugt, dass die Taten untereinander nicht unbedingt vergleichbar sind. So hat der Tätet in Ludwigshafen angegeben wegen „schlechter Noten“ gehandelt zu haben, wobei beim Winendenner Täter eher Mobbing der Mitschüler die Hauptmotivation gewesen sein dürfte.

Trotzdem gibt es an Schulen ein grundsätzliches Problem: Die Schüler sehen ihre Lehrer als Gegner an. Diese Einstellung ist je nach Schüler und interessanterweise auch je nach Leistung in der Schule unterschiedlich ausgeprägt, aber es betrifft eigentlich so gut wie alle Schüler. Warum ist das so? Der Grund ist relativ einfach: So gut wie jeder Schüler hält sich in seiner schulischen Laufbahn irgendwann einmal für zu schlecht beurteilt durch einen Lehrer. Bei einigen Fällen mag das eine verzerrte Wahrnehmung sein in wieder anderen ist es vielleicht die so genannte „strategische Benotung“, die Lehrer durchführen oder manchmal auch einfach ein kleiner Fehler eines Lehrers, denn die sind schließlich auch nur Menschen.

Diese Gründe spielen für die Schüler aber alle keine Rolle und gerade, wenn es auf den Schulabschluss zu geht, werden solche Vorfälle als Existenzbedrohung wahrgenommen. Klar führt das bei den allermeisten Schülern nicht zu Straftaten. Es sollte aber trotzdem als Problem wahrgenommen werden, denn es hat auf die Schüler einen negativen Einfluss. So lernen Schüler nur sehr ungern von den Lehrern, die sie als „ihre Gegner“ empfinden und werden so in den Fächern absacken.

Es wäre daher besser, wenn die Lehrer nicht mehr die Benotung durchführen würden, sondern eine andere Institution. Das hätte mehrere Vorteile. Einmal würde sich das Verhältnis zwischen Lehrern und Schülern schlagartig verändern. Der Lehrer wird vom (potentiellen) Gegner zum Verbündeten gegen eine „benotende Institution“ und der Schüler ist viel eher gewillt vom Lehrer Hilfen und Tipps anzunehmen, um gegen diese Institution bestehen zu können.

Außerdem ist es wohl offensichtlich, dass damit Gewalttaten gegen Lehrer wegen schlechter Noten der Vergangenheit angehören. Es wird aber auch unwahrscheinlich sein, dass Schüler Gewalttaten gegen die „benotenden Institution“ planen, da hier keine persönliche Beziehung zu einzelnen Menschen besteht, sondern sich der Hass gleichmäßig auf eine große Institution richtet, die wohl die wenigsten Schüler sehen werden. Das sollte ein recht großes Hindernis darstellen. Außerdem könnte man, falls man trotzdem noch Angst vor Gewalttaten hat, diese Institution leicht vor Schülern schützen, da diese wohl nur in Ausnahmefällen dort auftauchen sollten.

Ein weiterer Vorteil wäre, dass auch die Lehrer die Last der Benotung los wären. Denn die meisten Lehrer unterrichten gerne, geben aber nur sehr ungern Noten, das haben sie mir zumindest immer erzählt. Man sollte auch vermuten, dass die Benotung durch die fehlende persönliche Beziehung zwischen Schüler und Institution objektiver wird. Denn, dass subjektive Einschätzungen der Lehrer in die Benotung mit einfließen, ist ein Fakt

Es gibt natürlich auch Nachteile. So würde eine solche Institution natürlich Geld kosten, was der Staat (bzw. wahrscheinlich eher die Länder) aufbringen müssten. Außerdem müsste man eine Lösung finden, die den Lehrern noch einen halbwegs individuellen Unterricht erlaubt, aber verhindert, dass Lehrer auf die Idee kommen, ihren Schülern Lösungen von Klausuren und Tests zu kommen zu lassen um eine bessere Benotung zu erreichen. Hier wäre eine mögliche Lösung den Lehrer zwar die Klausur stellen zu lassen (individueller Unterricht), aber Mitarbeiter der Institution während Klausuren anwesend zu haben, um Schumeleien zu vermeiden.

Aber die massive Verbesserung des Verhältnisses zwischen Schülern und Lehrern sollte einem diese Nachteile wert sein. Ich habe diese Vorschläge auch damals schon an verschiedene öffentliche Stellen geschickt, aber leider keinerlei Reaktion dazu bekommen.

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Über Achim

Ich bin in Bad Godesberg auf das Konrad Adenauer Gymnasium gegangen und habe dort 2002 mein Abitur gemacht. Danach habe ich in Bonn Informatik studiert und habe den Studiengang 2008 mit Diplom abgeschlossen. Im Moment bin ich in der Forschung tätig. Außerdem bin ich einer von zwei Gründern von Tratschtante.de und im Moment hier der einzig aktive Schreiberling.

4 Gedanken zu „Lehrer sollten Schüler nicht benoten

  1. Lebenssonde

    Wie stellst du dir das iegentlich genau vor? Soll ein Mitglied dieser Institution in Klassenraum sitzen und die Schüler beobachten? Selbst wenn diese Leute nur die Klassenarbeiten korrigieren würden, wäre das ein viel zu großes Aufwand,um es durchführbar zu machen. Ganz mal abgesehen von den Kosten. Ich würd das Geld lieber für was anderes ausgeben, zum Beispiel für bessere Lernbedingungen. Sogenannte AMokläufer wirds immer geben, selbst wenn man gerecht benotet, denn meistens würden solche Schüler immer denken, dass sie nicht gut geung wären, weil sie einfach nicht sehen wollen, wie schlecht sie tatsächlich sind. Und wenn das nicht die Noten sind, wird es etwas anderes sein, die es auslöst sei es nun, dass demjenigen Schüler einfach die Fresse des Leherers nciht gefällt. Und zumeist liegt hinter dem allem ganz was anderes als simple Schulnote. Ich meine solche Menschen müssen schon emotional aufgebracht sein, um einfach mal so eine Tat zu begehen.

  2. Moses Beitragsautor

    Es geht mir auch nicht hauptsächlich um Amokläufer… das war nur der ursprüngliche Aufhänger meiner Gedanken.

    Wenn man das Problem mit den Amokläufern angehen will, sollte man erstmal intensiv untersuchen, warum so viele Schüler Selbstmord begehen (denn das ist nach Verkehrsunfällen die häufigste Todesursache bei Jugendlichen! Das Perfide daran: Über Selbstmorde unter jugendlichen darf die Presse nicht berichten…). Ich bin überzeugt davon, dass ein „Amoklauf“ aus der Sicht eines Schülers nur eine besondere Form des Suizids ist. Es ist in beiden Fällen eingeplant, dass man aus dem Leben geht, die Frage ist nur, ob „mit einem großen Knall“ oder leise. Und warum sich so viele junge Menschen, denen im Prinzip alles offen steht, dazu entscheiden ihr Leben vorzeitig zu beenden, sollte man dringend untersuchen und die Probleme angehen.

    Klar ist meine Idee mit großen Kosten und einigem Aufwand verbunden. Aber es ist gerade das: Eine Verbesserung der Lernbedingungen. Denn es verbessert das Verhältnis zwischen Schüler und Lehrer und damit lernen die Schüler viel freiwilliger von ihren Lehrern.

    Es gibt so viele Schüler, die jeden Tag in die Schule gehen und keinen Bock haben und nur Unsinn treiben… für die ist Schule ganz klar verschwendete Zeit. Eine wichtige Motivation für so ein Verhalten, ist halt ein relativ schlechtes Verhältnis zwischen vielen Schülern und Lehrern.

  3. Lebenssonde

    Im prinzip magst du Recht haben, abe rich bin der Meinung, dass das mit den Kosten unverhältnis wenig Ergebnis bringen würde. Ich meine damit würdest du die gesamte Arbeitslosigkeit weglöschen und bezahlen tut das schon sowieso hochverschuldeter Staat. Ich glaube nämlich, dass die Schüler erstmal selbst verstehen müssen, wofür sie lernen. Ich sehe das auch bei meinem Neffen, so wie der redet, lebt er für heutigen Tag und versteht nicht so wirklich wie wichtig das Wissen für sein restliches Leben ist und wie entscheidend das ist.

  4. Moses Beitragsautor

    Ja, die Kosten kann ich nicht wirklich überblicken. Deshalb ist das ja auch nur ein Vorschlag. 😉

    Dass viele Kinder nicht verstehen, wofür sie lernen sollen, ist auch richtig. Am Anfang, in Kindergarten und Grundschule macht es den meisten Kindern noch Spaß… aber in der weiterführenden Schule ist das schnell vorbei und der Spaß ist noch nicht durch eine andere Motivation ersetzt worden. Als 10-12 Jähriger denkt man auch noch nicht so wirklich über Jobchancen usw. nach, oder? Das tun ja die meisten in der Oberstufe noch nicht mal, weiß ich aus eigener Erfahrung. 🙂

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