Ausstieg aus dem Ausstieg vom Atomausstieg?

Umweltminister Norbert Röttgen hat sich dafür ausgesprochen möglichst schnell aus der Kernenergie auszusteigen. Dafür erntet er nun von seinen „Parteifreunden“ heftigste Kritik, die damit offen zeigen, dass sie ihr Wahlversprechen, Kernenergie nur als Brückentechnologie nutzen zu wollen, ganz klar brechen.

Die Worte von Michael Fuchs (CDU) klingen hier wie Hohn in den Ohren der Wähler. Dieser sieht es als wirtschaftlich nicht tragbar an, „sichere“ Atomkraftwerke „schon nach 40 Jahren“ abzuschalten und nicht erst nach 60 Jahren oder mehr [1]. Interessant an dieser Aussage ist, dass die Laufzeit von Atomkraftwerken grundsätzlich nur auf 40 Jahre ausgelegt ist und die Kalkulationen bei Bau und Planung so ausgelegt sind, dass die Kraftwerke nach 40 Jahren kaum mehr als „sicher“ gelten können. Auch sind die deutschen Atomkraftwerke alle schon einige Jahre alt und beim besten Willen nicht auf dem neusten Stand der Technik sind.

Gleichzeitig bezeichnet er Solarzellen als „Subventionsgräber“ und vergisst dabei offensichtlich, dass gerade Atomkraftwerke ohne Subventionen auch nach 40 Jahren nicht profitabel arbeiten würden [2]. So mussten bis 2006 keine Steuern auf Uran entrichtet werden. So mussten sich die Energiekonzerne nicht finanziell an der Suche nach End- und Zwischenlagern beteiligen, genauso wenig wie an dem Betrieb derselben. Der Polizeischutz von Kastor-Transporten wird ebenfalls vom Staat übernommen. Der größte Posten ist aber wohl, dass die Energiekonzerne keine Haftung im Fall eines Atomunfalls übernehmen müssten. Damit wären die Preise für Atomenergie bei astronomischen 2,70€ pro Kilowattstunde (nach Hochrechnungen von Greenpeace [2]). Da kann man kaum von Solarzellen als „Subventionsgrab“ reden…

Auch Michael Kretschmer (CDU) macht kaum ein besseres Bild mit seiner Kritik. Er behauptet, dass sich mit erneuerbaren Energien allein ein Industrieland wie Deutschland „nicht betreiben“ lasse. Einen Nachweis für diese Aussage bleibt er natürlich schuldig und wo diese Aussage etwas mit der Kernenergie zu tun hat, die gerade einmal zwischen 6 und 12 % des deutschen Strommix liefert, bleibt auch fraglich.

Des weiteren fordert er, dass, wenn die Bevölkerung die Kernenergie nicht freiwillig akzeptiert, die CDU halt dafür sorgen müsste, dass diese Akzeptanz einkehrt. Damit zeigt Michael Kretschmer ein zentrales Problem der CDU auf: Die CDU ist keine Volkspartei. Sie ist eine Wirtschaftspartei, die bei jeder Abwägung die Interessen der Wirtschaft über die des Volkes stellt. Und wenn halt die Wirtschaft entscheidet, dass man lieber Kernenergie produzieren möchte, dann muss der Bürger nach CDU Vorstellungen eben damit leben.

Ich bin zwar immer noch nicht davon überzeugt, dass es wirklich notwendig ist, aber von mir aus sollte man im Notfall die Laufzeit von Atomkraftwerken verlängern um den Bau von weiteren Kohlekraftwerken zu verhindern. Allerdings sollte diese Verlängerung tatsächlich als sehr kurzfristig verstanden werden und kein Atomkraftwerk länger als die ursprünglich anvisierten 40 Jahre laufen. Alles andere wird dem Begriff „Brückentechnologie“ nicht gerecht und bedeutet den Bruch eines zentralen Wahlversprechens der CDU.

Außerdem müsste man vorher noch das Problem des Atommülls lösen. Damit meine ich nicht, dass ein „Endlager“ gefunden werden muss, sondern es muss eine nachhaltige Lösung geben. Den Müll in ein tiefes Loch zu schmeißen und dann zu hoffen, dass lange genug keiner mehr drauf guckt, ist weder eine sinnvolle Lösung noch etwas, was man über Jahre hinweg machen kann. Insofern verbieten sich längere Laufzeiten für Atomkraftwerke hier im Moment von selbst. Solange die Müllentsorgung so aussieht und der Atommüll nicht recycelt oder auf andere Art und Weise wiederverwendet werden kann, ist Atomkraft eine Technologie, die der Vergangenheit angehören muss.

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Über Achim

Ich bin in Bad Godesberg auf das Konrad Adenauer Gymnasium gegangen und habe dort 2002 mein Abitur gemacht. Danach habe ich in Bonn Informatik studiert und habe den Studiengang 2008 mit Diplom abgeschlossen. Im Moment bin ich in der Forschung tätig. Außerdem bin ich einer von zwei Gründern von Tratschtante.de und im Moment hier der einzig aktive Schreiberling.