Was machen mit den Steuern?

Da geht es dem deutschen Staat einmal gut und er nimmt wahrscheinlich mehr Steuern ein, als geplant, tauchen überall Leute auf, die Steuern gesenkt haben wollen. Warum?

Es wird ja gerne die Organisation des Staatshaushaltes mit der Unternehmensführung oder gar schwäbischen Hausfrauen verglichen. Warum passiert das nur bei der Ausgabenseite, aber nicht bei der Einnahmenseite? Welche schwäbische Hausfrau würde denn zu ihrem Mann gehen und sagen: „Du Schatz, ich hab diesen Monat 20€ übrig gehabt. Also kürz bitte das Haushaltsgeld um den Betrag“? Welcher Geschäftsführer denkt sich denn: „Och, das Jahr lief so gut, wir haben einen guten Gewinn gemacht, jetzt senke ich mal ordentlich die Preise, da ist ja offensichtlich noch Platz.“

Das klingt absurd? Aber was wird denn gerade vom deutschen Staat verlangt? Genau das. Ein vernünftiger Geschäftsführer hat zwei Optionen:

  1. Gewinne an die Gesellschafter ausschütten. Das könnte der Staat auch machen. Allerdings sollte er das nur als Einmalzahlung und nicht in Form von Steuersenkungen. Denn die Steuersenkungen belasten den Staat auch dann, wenn es mal wieder schlecht läuft. Die Steuern dann zu erhöhen macht alles nur noch schlimmer (siehe Griechenland).
  2. Die Gewinne investieren, damit man in der Zukunft noch bessere Gewinne erwirtschaften kann. Da hat der deutsche Staat sehr viele Möglichkeiten. Infrastrukturinvestitionen oder besonders Investitionen in die Bildung fallen einem da ein. Wenn man ein bisschen guckt, werden genau die auch von Ökonomen regelmäßig empfohlen um zukünftigen Generationen das Leben leichter zu machen.

Natürlich könnte man auch Schulden zurück zahlen. Wobei da die Beträge, um die es geht, eher ein Tropfen auf den heißen Stein sind. Ich jedenfalls wäre für Investitionen, die sich später noch mehr Auszahlen, wie in Bildung oder Infrastruktur. Ggf. könnte man die Bevölkerung auch etwas bei der Energiewende entlasten. Die Schulden werden durch Inflation und wachsendes BIP so oder so weniger über die Zeit.

Angst vor Weichmachern? Lieber Plastik als Holz.

Weichmacher, Phtalate, Blisphenol A… all das wabert im Moment durch viele Diskussionen um Gesundheitsrisiken. Manch einer glaubt, dass ihn alles Plastik krank macht und er es bloß nicht anfassen darf. Das geht so weit, dass man schon ein schlechtes Gewissen hat, wenn man Babyspielzeug kauft, auf dem nicht groß „BPA-Frei“ steht. Was auch immer das heißt. Ist bestimmt besser…

Wenn man sich einmal mit diesen Stoffen und ihrer Verwendung beschäftigt, fällt einem allerdings schnell auf, dass Kunststoffe in der Hinsicht eigentlich eine eher unkritische Stoffgruppe ist.

Warum? Das fängt damit an, dass von den Kunststoffen nur Polyvinylchlorid (besser bekannt als PVC oder Vinyl) oder Polycarbonat Weichmacher braucht. Dafür braucht es die immer um weich zu sein. Alle anderen Kunststoffe, die so verwendet werden (wie PET, oder PEP aus dem die meisten Kunststoffflaschen sind) brauchen gar keine Weichmacher um die gewünschte Konsistenz zu erreichen.
Mit welchem Kunststoff man es zu tun hat, erkennt man am Recycling-Code, der meistens auf der Unterseite zu sehen ist (aber irgendwo sein muss, mindestens auf der Verpackung). Ist dieser PVC oder 03 hat man es mit PVC zu tun. Ist dieses weich, enthält es Weichmacher. In den aller meisten Fällen wir es sich dabei um Phtalate mit Blisphenol A, S oder F als Antioxidantien handeln. Daher, selbst wenn in dem Fall BPA-Frei aufgedruckt ist, ist vermutlich BPS oder BPF drinnen, mit gleicher Wirkung. Das ganze ist schwer (= teuer) zu ersetzen…
Polycarbonat ist leider unter 07 = „Other“ mit einigem anderen zusammengefasst. Es kommt aber auch eher selten vor und dann meistens hart. Ich habe jedenfalls in meinem Haushalt nur eine Flasche aus Polycarbonat gefunden und die ist sehr hart und spröde. PVC in weicher Form gibt es dagegen recht oft, z.B. „Gummitiere“ (sprich Quietscheenten) sind meist aus weichem PVC, außer sie sind aus dem deutlich teureren Latex. Alles aufblasbare Wasserspielzeug (Luftmatratze, Wasserball, …) ist, wohl aus Mangel an brauchbaren Alternativen, aus weichem PVC.

Aber warum nicht ganz auf Plastik verzichten? Das Problem sind hier die Alternativen. Z.B. bei Kinderspielzeug greift man gerne zu Holz. Damit Kinder das mögen, muss es bunt sein, also lackiert. Problem: in den allermeisten Lacken sind Weichmacher, damit die nicht so schnell abplatzen. Leider kann man bei lackiertem Holz also nicht erkennen, ob da Weichmacher drinnen sind, oder nicht. Insofern: Lieber Plastik. Da weiß man es. 🙂

Wer im übrigens Angst vor Weichmachern hat, sollte auf Kassenzettel verzichten. Denn da nimmt man die Phtalate schon über die Haut auf. Bei Kunststoffgegenständen, ist es dagegen relativ aufwendig das BPA und die Phtalate rauszulösen.
Ob oder wie schädlich das ganze ist, wird im Moment auch noch debattiert. Für den Körper sehen Phtalate und Blisphenol aus wie Östrogen und können wie dieses Hormon wirken. Was das genau heißt und wie schädlich das ist, ist bisher unklar. Wer Angst davor hat, sollte allerdings auch kein Soja essen und kein Bier trinken.

Das Killerargument für Nintendo Switch

Nintendo hat mit der „Switch“ letzte Woche seine neue Konsole veröffentlicht. Wie üblich kann sie technisch nicht mit PS4 oder Xbox One oder deren gemunkelten Nachfolgern oder einem guten Gaming PC mithalten. Dafür ist sie auch mobil zu verwenden.

Damit gibt es auch ein, wenn auch nur selten erwähntes, Killerargument für die Konsole:
Man kann sie einfach aus dem Dock nehmen und auf’s Klo gehen und da weiter daddeln. Da sollte doch jedem Gamer das Herz höher schlagen, oder nicht? 😉

Vorreiter in Umweltfragen? Deutschland?

Die Deutschen sehen sich ja gerne als Vorreiter in Umweltfragen und gerne kommt bei Diskussionen um den Umweltschutz oder die Energiewende die genervte Frage, warum man denn immer Vorreiter sein müsse.

Wer in den letzten Jahren einmal in Kanada oder in Kalifornien war, dem sollte klar sein, dass Deutschland beim Umweltbewusstsein vielleicht noch vorne mit schwimmt, aber vor den genannten Ländern keinen großen Vorsprung hat. Wenn man sich die Entwicklungen in Asien anguckt, sieht man ähnliches, allerdings noch eher „von oben“ verordnet (durchaus durch den Smog, den die Autos in Millionenstädten hinterlassen motiviert).

Da sollte man eigentlich denken die Deutschen wären glücklich, dass der Rest der Welt nun endlich mitzieht und z.B. beim Kampf gegen den Klimawandel Mitstreiter wie China oder Indien gewonnen werden konnten… Problem nur: Ist man nicht. Die erkennen nämlich, dass die dicken Autos, die Deutschland in die ganze Welt vertickt ein dickes Problem darstellen. Daher wehrt man sich nun in Deutschland mit Händen und Füßen dagegen, dass unsere armen Autokonzerne gezwungen werden sollen doch endlich mal fortschrittliche Antriebe zu entwickeln anstatt ihrem Verbrennungsmist nachzujammern… krank. 🙁

Wie geht ein weltoffenes Burka-Verbot?

Im Moment wird ja ganz stark ein Burka-Verbot diskutiert. Das es dabei meist nicht um die Burka, sondern um andere Kleidungsstücke geht, sei hier erstmal egal. Natürlich geht es auch nicht darum irgendwen zu schützen oder zu befreien, geschenkt. 🙁

Was mich extrem erstaunt ist die Wortwahl. Immer wieder hört man, dass die Burka ja wohl kaum zu unserem „offenen und toleranten“ oder gar „weltoffenen“ Land gehören könne. Letztens kam diese Aussage von Herrn de Maizière persönlich:

„Wir lehnen einhellig die Burka ab, sie passt nicht zu unserem weltoffenen Land“

Da frage ich mich, was an einem Verbot von Kleidungsstücken, die man hier als „fremd“ empfindet „weltoffen“ sein soll oder auch nur „offen“. Verwechselt man hier die Bedeutungen von „offen“, das ja auch heißen kann „ohne physikalische Beschränkungen„? Dann wäre ein Burka verschleiertes Gesicht tatsächlich nicht „offen“. Aber ist das so im Zusammenhang mit „weltoffen“ tatsächlich gemeint? Ich hätte es jetzt eher als „weltoffen“ empfunden, wenn man seine eigenen Vorstellungen von Kleidungsordnungen in Frage stellt und überlegt, ob eine fremde, importierte Kleidung hier auch möglich ist. Denn das „offen“ in „weltoffen“ bezieht sich ja auf den, der gerne „weltoffen“ sein möchte. Wenn Herr de Maizière sich also als „weltoffen“ sehen möchte, müsste er fremde Kleidungsstücke akzeptieren, anstatt sie abzulehnen, da sie ihm nicht „offen“ genug sind. Man sieht: sehr kompliziert das ganze.

Meiner Meinung nach soll hier hauptsächlich ein fremder, ja unangenehmer1, Anblick verschwinden, den man nicht kennt und auch nicht kennen lernen möchte. Mit weltoffen hat das nichts zu tun. Im Grunde geht es ja nicht einmal um das „Bewahren der eigenen Tradition“. Wenn es darum ginge, könnte man seine eigene Tradition ja einfach leben und wäre glücklich, egal was andere machen. Es geht doch darum die eigene Tradition und Kleidungsordnung anderen über zu stülpen. Aber das hört sich nicht so schön an, wie „weltoffen“, von daher muss man sich natürlich ständig einreden, dass man „weltoffen“ wäre, auch wenn man genau das gerade nicht ist… 🙂

 

Fußnoten:

  1. Ich vermute, dass der Anblick vielen Deutschen unangenehm ist, weil wir den gesellschaftlichen Code dahinter nicht lesen können. Unsere Kleidung zeigt uns ja ganz klar unsere Stellung in der Gesellschaft an: Jogginganzug, Businessanzug, Uniform, Freizeitkleidung, Abendkleidung, …. Diese Information wird in Niqabs ebenfalls transportiert, für uns aber nicht erkennbar, da wir den Code nicht kennen. []