Deutschlands Beitrag zur Eurokrise

Warum hören wir in deutschen Medien eigentlich so wenig über Deutschlands Beitrag zur Eurokrise? Wer etwas darüber erfahren möchte, dem lege ich diesen Vortrag von Heiner Flassbeck zum Thema Eurokrise nahe (man erfährt auch einige Dinge über Griechenland):

Für alle, die keine 90 Minuten Zeit finden hier eine Zusammenfassung der wichtigsten Punkte:

  • Griechenland ist eigentlich ein Randproblem
  • Dass die Eurozone auf einem „guten“ Weg ist, stimmt nicht. Alle, inklusive Deutschland, sind in der Industrieproduktion noch unter 2008. Auch die Arbeitslosigkeit hat sich nicht wirklich positiv entwickelt (was direkt damit zusammen hängt). Stichwort: Verlorene Generation, wo Arbeitslosigkeit zurück geht, verlassen die Menschen das Land oder melden sich einfach nicht arbeitslos
  • Die Reformen, die in Spanien, Portugal, Italien, durchgeführt wurden, haben auch dort nicht zu einem Aufschwung geführt, sie stagnieren auf niedrigem Niveau
  • Griechenland wuchs bis 2008 schneller als alle anderen Länder in der EU, und insbesondere auch bei Investition in Maschinen. Der große Absturz kam erst mit Eingreifen der Troika
  • Es herrscht Deflation in Europa
  • Auch vor dem Euro gab es in Europa größtenteils feste Wechselkurse, die meisten Länder haben sich an die Deutsche Markt gekettet
  • Wegen höheren Inflationsraten mussten einige Länder (Italien, Frankreich), regelmäßig abwerten
  • Problem: Durch die festen Wechselkurse hat Deutschland Geldpolitik für Europa gemacht, was für die anderen nicht immer optimal war. Daher Einigung auf 2% Inflationsziel und gemeinsame Geldpolitik. Inflationsziel notwendig, da Abwerten/Aufwerten nicht mehr möglich im Euro
  • Problem: die Theorie des Monetarismus (Zentralbank „druckt“ Geld, woraufhin die Inflation steigt) ist offensichtlich falsch. Die funktioniert weder in Japan (seit 20 Jahren Deflation, trotz extremer Geldmengenerhöhung) noch ein der Eurozone (EZB gehen langsam die Mittel zum Gelddrucken aus)
  • Bessere Erklärung für Inflation bietet die Cost-Push-Theorie: Für höhere Preise müssen die höchsten Kosten steigen. Die höchsten Kosten sind die Löhne. Bei Lohnsteigerung um 2% über der Produktivitätssteigerung gibt es also 2% Inflation
  • Daraus folgt ein Konstruktionsproblem des Euro: Die EZB kann das 2% Inflationsziel nicht erreichen, da der Monetarismus nicht funktioniert und sie die Lohnhöhe aber nicht beeinflussen kann
  • Die Eurozone kann also nur funktionieren, wenn die Lohnstückkosten, also die Löhne im Vergleich zur Produktivität, um 2% pro Jahr steigen
  • Fakt am Rande: „West Deutschland“ hatte durchschnittlich 4% Inflation von 1970-1991
  • Fatal: Nach Jahrzehnten von durchschnittlich 4% Steigerung der Lohnstückkosten hat Deutschland ab 2000 „klammheimlich“ die Lohnstückkosten Steigerung auf deutlich unter 2% gefahren
  • Problem daraus: Alle Güter, die in 1999 in Deutschland für 100€ pro Stück produziert wurden, können 2012 in Deutschland für 110€ pro Stück produziert werden. Im Rest von Europa sind es 130€ (Minute 32) => Das ist das deutsche Wirtschaftsmodell der vergangenen Jahre
  • Tragisch: Frankreich hat alles richtig gemacht aber ein Problem, weil Deutschland sich mit seinen Lohnstückkosten so stark zurück gehalten hat, die politische Macht liegt aber ganz deutlich bei Deutschland. Daher traut man sich in Frankreich kaum das Problem anzusprechen
  • Deutschland macht eine deflationäre Anpassung der Lohnstückkosten
  • Im Vergleich: Produktivitätssteigerungen in Frankreich und Deutschland haben sich kaum Unterschieden. Gleiches gilt für den BIP Wachstum
  • Frankreich hat besseren Binnenmarkt (daher ähnliches BIP Wachstum), deutlich bessere Investitionen in Produktionsanlagen => Nachhaltiges Wachstum, da Investitionen in Zukunft getätigt werden!
  • Absolute Produktivität in Frankreich höher als in Deutschland
  • Reallöhne in Deutschland sind langsamer gestiegen als Produktivität. Nach (neoliberaler) Ökonomischer Lehre müsste dadurch die Arbeitslosigkeit sinken
  • Gegenbeispiel: Griechenland, dort gab es reale Lohnsenkungen um 20-30%, die Arbeitslosigkeit ist aber in die Höhe geschossen
  • Ähnliches ist, in weniger dramatischem Ausmaß, in ganz Südeuropa (inklusive Italien) passiert
  • Problem: Schon in den letzten 10 Jahren exportiert Deutschland sehr viel in die EU, da seine Produkte ca 20% billiger sind. Die anderen konnten sich nicht wehren, da sie ihre Währung nicht abwerten konnten. Die sinkende Arbeitslosigkeit in Deutschland kommt nicht (oder nur indirekt) aus den niedrigen Löhnen, sondern durch den hohen Export
  • Problem: Die Arbeitslosigkeit ist zu Lasten der restlichen Eurozone gesunken, die Arbeitslosigkeit wurde exportiert
  • Direkte Folge: Es können nicht alle Länder auf diese Weise „wettbewerbsfähiger“ werden und ihre Arbeitslosigkeit exportieren
  • Die Lohnstückkosten in Griechenland (und im Rest von Südeuropa) sind immer noch höher als in Deutschland, also bricht in diesen Ländern nur der Binnenmarkt ein. Problem: Auch wenn die Arbeitskraft um 20% günstiger wird, werden die Arbeitgeber sie trotzdem nicht einstellen, wenn sie die zusätzliche Produktivität nicht benötigen, da der Binnenmarkt eingebrochen ist
  • Grundlegendes Problem: Der Arbeitsmarkt funktioniert nicht wie ein „Kartoffelmarkt“. Angebot und Nachfrage sind nicht unabhängig! Arbeiter kaufen die Güter, die sie produzieren. Sinken ihre Löhne, sinkt die Nachfrage nach den Produkten, und die Nachfrage nach Arbeitskraft sinkt automatisch mit
  • Griechenland war 75% Binnenmarkt, nur 25% Export. Daher kann diese Lohnsenkung dort nicht funktionieren. Irland hat einen Export von 105% (unklar von was), daher kann die Lohnsenkung dort funktionieren, ist aber genauso wenig übertragbar, wie die Situation in Deutschland
  • Troika konnte diese Einbrüche nicht vorhersehen, da sie an einen funktionierenden Arbeitsmarkt geglaubt haben
  • Problem: Auch wenn Frankreich und Italien die Erhöhung der Löhne genauso reduziert hat, wie Deutschland, sind die Lohnstückkosten dort immer noch ca 30% höher als in Deutschland (im Vergleich zu 1999). Auch das kann auf lange Zeit nicht gut gehen
  • Deutschland hat bisher keinen eigenen Beitrag zur Lösung der Eurokrise geleistet. Wichtig wären mindestens 10 Jahre mindestens 5% Lohnsteigerungen in Deutschland
  • Andersherum geht es nicht: Auch wenn man sich auf die niedrigen Lohnsteigerungen einigt, werden diese zu starker Deflation führen. Schon die bisherigen „schwachen“ Anpassungen in einem kleinen Teil der Eurozone haben zu einer „fast“ Deflation geführt. Die EZB kann dieser nichts entgegen setzen. Alles nur, weil in Deutschland die Löhne nicht steigen können. Warum nicht?
  • Betrachtung der Saldenbilanzen. Die Nettoschulden der Welt sind immer 0. Wenn einer spart, muss jemand anders Schulden machen. Wenn jemand schulden macht, spart jemand anders (Minute 55ff)
  • In den 60er Jahren in Deutschland normale Marktwirtschaft: Staat und Außenwelt sparen nicht, verschulden sich auch nicht. Privathaushalte sparen, die Wirtschaft nimmt Schulden auf
  • Heute: Deutsche Unternehmen sind ebenfalls zu Sparern geworden, auch der deutsche Staat verschuldet sich nicht. Problem: Die Bilanz muss 0 sein, bleibt nur das Ausland, was sich verschuldet, i.e. wo das gesparte Geld hinfließt
  • Deutschland braucht jedes Jahr 200 Milliarden € neue Schulden des Auslands für sein Wachstum. Das „gesparte“ Geld der Deutschen geht ins Ausland als Kredite, damit diese sich (auch) deutsche Produkte kaufen können. Problem: Auch deutsche Konsumgüter werfen keine Rendite ab (Minute 59), die Schuldner sind also irgendwann überschuldet
  • Problem: Deutschlands Tip, dass alle anderen nun auch keine Schulden machen sollen, kann nicht funktionieren, da, wenn jemand spart, jemand schulden muss machen. Wer soll das sein? Damit die anderen sparen können, muss Deutschland seine Verschuldung erhöhen
  • Es ist unklar, wer das in Deutschland sein könnte
  • Deutschland tut so, als ob es nichts mit den Problem zu tun hätte. Interessanterweise sehen die USA und Europa das Problem durchaus. Deutschland will das nicht wissen. Deutschland müsste sich fundamental ändern um Europa zu retten (Minute 66)
  • Vergleich mit Reparationen nach dem ersten Weltkrieg (Minute 67). Ähnliche Situation: Die Alliierten wollten Reparationen, da Deutschland Schuld war am Krieg, ein Ausgleich für den Krieg. Problem: Man wollte nichts an den Handelsbeziehungen zu Deutschland ändern, i.e. man wollte nicht, dass Deutschland Leistungsbilanzüberschüsse erzielt. Das ist ein unauflösbarer Widerspruch. Darauf folgte logischerweise ein Knall
  • Mit den Entwicklungsländern ist etwas ähnliches passiert (Minute 69), dort wurden Leistungsbilanzdefizite empfohlen. Diese wurden für Güter ausgegeben und haben nicht zu Wachstum geführt (nur bei uns)
  • Problem: Wenn dieser logische Widerspruch nicht aufgelöst wird, wird es irgendwann durch politische Umwürfe passieren. Die rechtspopulistischen Strömungen in Europa sind Zeichen dafür
  • Problem: Deutschland hat, weil es Gläubiger von einigen Eurostaaten ist, sehr viel Macht erlangt. Diese Macht müsste ein vernünftiges Deutschland möglichst schnell abgeben wollen. Allerdings wollen sich alle anderen Länder auf die Seite des mächtigen stellen und unterstützen daher eine Beibehaltung des kritischen Kurses
  • Die in Deutschland immer wiederholte Aussage, dass Deutschland alles richtig gemacht hätte, ist falsch (siehe Lohnsteigerungen, siehe Situation in Griechenland durch „deutsche Medizin“). Daher ist ein Kompromiss unmöglich, ohne eine Umdenken in Deutschland
  • Frage aus dem Publikum: Wird der Euro auseinander brechen (Minute 78)? Antwort: Es wird knallen. Harmonischer Austritt sehr schwer, zentrale Fragen, wie Wechselkursstabilisierung müssten mit Europa geklärt werden (was aber bisher nicht passiert). Es könnte gehen, Argentinien hat gezeigt, dass es ging, allerdings mit Abwertung der Währung von 65% und sehr viel Glück, dass es in den politischen Unruhen nicht ganz schief gelaufen ist.
    Leicht ist es aber für Griechenland definitiv nicht. Problematisch: Politische Umstürze in Frankreich und Italien können dazu führen, dass Frankreich und Italien aus dem Euro aussteigen und sich Südeuropa beteiligt. Explosionsartige Abwertung von 30-40% oder gar 50%. Das bedeutet Zusammenbruch der Exportindustrie in Deutschland => Es ist unverständlich, dass Deutschland sich so schlafwandlerisch selber auf diesen großen Knall zubewegt
  • Ab Minute 82: Postwachstum. Auch ganz interessant, aber m.E. ein anderes Thema. :)
  • Wenn alle sparen wollen, muss der Zins Null sein, das ist, was wir gerade in Europa sehen

(Interpretation / Einfüge von mir sind nach dem Folgerungsfeil „=>“). Ups. Lang geworden. Gucken lohnt sich. :)

Verwirrte Deutsche Meinung zu Griechenland

Es ist schon erstaunlich, was im Moment so passiert. Die Stimmung in Deutschland. Da sind  viele Leute stolz darauf, dass wir so schön „hart“ geblieben sind und den blöden faulen Griechen endlich mal gezeigt haben, wo der Hammer hängt… Woher kommt das?

Zeit.de hat vor einiger Zeit untersucht, wie die Stimmung in anderen EU Staaten bezüglich Griechenland so ist und mit diesen schönen Sätzen aufgemacht:

In manchen Staaten gibt es kein Verständnis für Athen. In anderen kein Boulevardblatt mit Griechen-Phobie.

Und man muss, wenn man sich so in Deutschland um guckt, wirklich glauben. Die Bildzeitung scheint hier die Meinungshoheit in der „Griechenlandfrage“ zu haben. Schon allein, dass die Deutschen glauben, sie hätten den Griechen selbstlos geholfen ist so ein Konstrukt der Bildzeitung und ähnlich tickenden Medien.

Huch. Haben sie dass den nicht? Erstmal sei der Hinweis erlaubt, dass es sich um Kredite handelt. Das Geld ist nicht geschenkt, sondern wird verzinst. Und die Zinsen werden von Griechenland auch bedient. Auch hier ist ja die Bild-Meinung, dass man Geld verschenkt hätte. Das ist (noch) nicht der Fall. Dann ist die Hauptfrage, wem es am meisten nützt, dass Griechenland im Euro bleibt. Was ist das Problem, wenn es austritt? Damals war die Gefahr groß, dass wir relativ schnell den Süden der EU aus dem Euro verlieren. Wenn man schon den Griechen nicht hilft, warum sollte dann bei Portugal, Irland, Spanien oder Italien mehr Bereitschaft für Hilfen existieren? Und ein Zerfall des Euro würde, heute genau wie damals, Deutschland am härtesten Treffen. Denn das deutsche Geschäftsmodell, dass sich auf den Export versteift und den mit Lohnzurückhaltung im Inland befeuert, funktioniert nur, wenn ein paar „Krisenstaaten“ die Währung schön niedrig halten. Wenn Deutschland heute aus dem Euro austreten würde, würde die Währung relativ schnell um 30% nach oben korrigiert werden. Und 30% Kostensteigerungen stecken auch die hochqualitativen deutschen Produkte nicht weg. Ähnliches gilt für einen „Nord-Euro“, bei dem nur noch die „starken“ mitmachen würden, den die AfD lange im Blick hatte.

Dazu kommt, dass das erste Hilfspaket zum überwiegenden Teil an europäische (und US) Banken ging und nur sehr wenig ist im griechischen Staatshaushalt angekommen ist. Daher sind die ganzen schönen Geschichten von den faulen Griechen, die nicht arbeiten und keine Steuern zahlen und so weiter, völlig unerheblich. Denn das sind alles Themen im Staatshaushalt, der zwar eine sehr hohe Verschuldung hatte, aber damit, bis zur Bankenrettung 2008, ganz gut klar kam1. Im Prinzip haben die Europäer, allen voran Deutschland und Frankreich, ihre Banken über den Umweg Griechenland gerettet. Hätte man in Griechenland schon 2010 einen Schuldenschnitt durchgeführt, hätten Deutschland und Frankreich ihre Banken (allen voran die Comerzbank und die Deutsche Bank) retten müssen. Wirklich selbstlos war die Hilfe also nie.

Ob es Hilfe war, darüber lässt sich ebenfalls streiten. Versetzen wir uns in das griechische Volk. Ein Volk, dass nun unter 25% Arbeitslosigkeit leidet, rauf von 8-10% vor der Krise. Was für die Griechen besonders unangenehm ist: Dort endet die Unterstützung für Arbeitslose nach einem Jahr. Keine Sozialhilfe oder Harz-IV, nichts. Das heißt, dass 25% des Volkes ohne Einkommen sind, von Krankenversicherung und ähnlichem gar nicht zu reden. Ein Volk, bei dem die Wirtschaft, auch Aufgrund der „Hilfspakete“ bzw. der Bedingungen zu denen diese vergeben wurden, jenseits der 5% schrumpft, jedes Jahr, was allein durch die Einsparmaßnahmen passiert ist (Wie das mit den diktierten Rentenkürzungen zusammenhängt hier auch bei Flassbeck)2. Sind das wirklich Hilfen? Hätte das Volk so viel mehr unter einer frühen Staatspleite gelitten? Man darf das bezweifeln.

Deutschlands Geschäftsmodell basiert auf dem Euro und darauf, dass andere, „schwächere“ Staaten die Währung „unten halten“. Umso verwunderlicher ist, dass man jetzt so begeistert ist, den gleichen Zerfallsprozess zu riskieren wegen dessen Vermeidung man doch die ganzen „Hilfen“ im ersten Schritt auf sich genommen hat. Das Risiko ist nicht null. Und wenn man Griechenland schon nach ca. 90 Mrd Euro fallen lässt, wie schnell könnte man dann Portugal, Spanien oder Italien über eine solche „Schwelle der Zumutung“ bringen? Finanzinvestoren werden das austesten. Die Zukunft des Euro wird spannend, hoffen wir, dass die ganze Aktion um Griechenland, die Deutschland so begeistert feiert, uns nicht bald ganz böse auf die Füße fällt.

PS: Ich glaube, dass ein paar Grundverwirrungen dabei eine nicht unerhebliche Rolle spiele:

  • Zum einen scheinen die Leute davon auszugehen, dass Staaten ihre Schulden zurückzahlen (müssen). Das tun sie nicht. Kein Staat zahlt seine Schulden zurück. Auch Deutschland nicht. Staaten „wachsen“ aus den Schulden heraus. Die absolute Summe der Schulden reduziert sich nur sehr selten. Das macht auch nichts. Wenn ich heute 100Mrd € Schulden habe, und morgen jährlich 200Mrd € Geld verdiene, dann sind die 100Mrd € ein Klacks. Daher ist es so tragisch, dass man in Griechenland die Wirtschaft abgewürgt hat. Hätte man die Wirtschaft unterstützt und nicht abgewürgt, sähe der gleiche Schuldenberg heute viel einfacher zu bewältigen aus und keiner würde sich sorgen machen. Das hängt mit der anderen Grundverwirrung zusammen…
  • Man kann keine schwäbische Hausfrau einen Staat lenken lassen. Die Hausfrau kann einfach Einnahmen und Ausgaben vergleichen und wenn es auf der Einnahmenseite nicht reicht, bei der Ausgabenseite sparen. Das kann ein Staat nicht. Dort hängen die Einnahmen leider direkt von den Ausgaben ab. Wenn die Rentner weniger Rente bekommen, kaufen sie weniger ein, weniger Steuern fließen, weniger Einnahmen für den Staat. Ist es viel weniger, gehen Läden pleite, werden Menschen arbeitslos, muss der Staat auch noch Arbeitslosengeld bezahlen. Insofern wäre die schwäbische Hausfrau ein fürchterlicher Finanzminister und hätte jeden Staat innerhalb von ein paar Jahren am Boden.

 

Fußnoten:

  1. Die Schuldenquote in Griechenland war lange bei ca 100%. In Deutschland lag sie bei, ebenfalls verbotenen, 80%. Erlaubt sind 60%. Das hat beispielsweise Spanien mit ca 40% Schuldenquote eingehalten, was ihnen aber auch nichts genutzt hat, da sie ein Jahr früher als Deutschland von der Finanzkrise in den USA erschwischt wurden und daher ebenfalls in der Krise zum sparen verdonnert wurden, mit den gleichen Folgen, wie in Griechenland []
  2. Das die Deutschen selber die „Sparmedizin“, die sie den Griechen verschreiben nicht nehmen und auch nie wirklich genommen haben, muss man dabei gar nicht weiter erwähnen. []

Ist die Bild „Systempresse“?

Bei der „neuen Rechten“, die im Moment überall aktiv ist, wird ja gerne von der „Systempresse“ geredet. Damit meint man, dass man den Medien grundsätzlich nicht glaubt, weil die ja nicht „richtige“ Meinung vertreten. Die Vermutung der Aktivisten ist dann immer, dass die Journalisten ja alle „gekauft“ sind. Was ja auch stimmt, denn die kriegen Geld für ihre Arbeit. Aber ich fürchte so meinen die das nicht. Egal. Ich schweife ab. Es ist halt klar, was gemeint ist: Die Medien schreiben nicht die „Wahrheiten“ der „neuen Rechten“ und sind folglich von irgendjemandem (Regierung, USA, Finanzkapital, Juden) ferngesteuert und werden dazu genutzt das Volk zu verdummen. Aber die „neuen Rechten“ sind aufgewacht und wehren sind.

Soweit, so abscheulich. Aber da gibt es doch noch die Bildzeitung. Die schreibt so herrliche Dinge, wie dass der Islam grundsätzlich ein Integrationshindernis sei oder denkt sich aus, dass Weihnachtsmärkte vom Staat in Wintermärkte umbenannt werden um den Moslems besser zu gefallen. Das trifft sich mit dem Ziel der „neuen Rechten“ eine schöne Hetze auf alles muslimische vom Zaun zu brechen, natürlich hervorragend. Daher stellt sich mir da die Frage, ob sich die Bildzeitung dadurch bei denen rehabilitiert? Ist das gar die Strategie der Bildzeitung? Immerhin scheint Islamhass ja der Trend schlechthin zu sein.

Nach einem kurzen Überblick in den Titeln von PI scheint diese Strategie nicht wirklich aufzugehen. Zwar feiert man die oben genannten Artikel als Hoffnungsschimmer. Aber für Artikel, die ausnahmsweise mal nicht ins gleiche Horn stoßen, wird die Bild hemmungslos niedergemacht, da wird vom „Bild-Dschihad“ fabuliert und von islamischen Hintern, in welche die Bildzeitung angeblich kriecht. Vielleicht würde die Bildzeitung besser fahren, wenn sie solche Themen etwas besser recherchiert um nicht die normalen Menschen zu sehr vor den Kopf zu stoßen?

Der Korrumpierungseffekt: Ein guter Grund für das bedingungslose Grundeinkommen

Der Korrumpierungseffekt, was ist das? Der Korrumpierungseffekt beschreibt die Verdrängung einer inneren Motivation durch äußere Anreize, was dauerhaft passiert, auch wenn die äußeren Anreize wegfallen. Hier gibt es eine anschauliche Erklärung über Puzzelspielen:

Den Korrumpierungseffekt weist man wie folgt nach: Man nimmt eine Schar Probanden, gibt ihnen eine amüsante Aufgabe – Puzzeln zum Beispiel – und misst, wie lange sie sich dieser aus freien Stücken widmen. In einer zweiten Phase belohnt man die Probanden für die mit Puzzeln verbrachte Zeit. Zuletzt stellt man das Belohnen wieder ein. Man wird feststellen, dass die Probanden jetzt weniger puzzeln als zuvor, als sie noch dafür belohnt wurden. Keine Überraschung.

Der Witz ist: Die Probanden puzzeln am Ende – und ab jetzt ihr Leben lang – weniger als ganz am Anfang, als sie es noch freiwillig taten. Das ist der Korrumpierungseffekt. Belohnt man einen Menschen für ein Verhalten, verringert sich sein innerer Antrieb. Nur sieht man von außen normalerweise nichts davon, da der innere durch einen äußeren Anreiz, eben die Belohnung, ersetzt wurde.

Die Frage an der Stelle, die in dem Artikel auch gestellt wird, ist, was das für unser Arbeitsleben heißt. Das Ergebnis im Artikel ist mehr oder weniger, dass man sich sein Hobby nicht zum Beruf machen sollte, weil man es dann nicht mehr mag. Später werden junge Wissenschaftler, die sich selber ausbeuten angesprochen. Diese gehen hauptsächlich ihrer inneren Motivation nach und verdienen gerade genug um davon zu leben. Gleichzeitig haben die Arbeitszeiten nichts mit der Bezahlung zu tun. Im allgemeinen sehen diese Wissenschaftler zwar, dass sie viel arbeiten aber wenig Geld haben, sie sind aber meist glücklich und sehr enthusiastisch in ihrer Arbeit. Wenn man so will, sind es genau diese Menschen, die unsere Gesellschaft voran bringen.

Wenn man das jetzt mal zu Ende denkt, würde es bedeuten, dass mit einem bedingungslosen Grundeinkommen jeder mit vollem Enthusiasmus seinen Hobbys nachgehen könnte, sei es in der Wissenschaft oder Kunst oder sonst wo. Kaum auszudenken, wo wir da am Ende rauskommen könnten. Da sollte man mal drüber nachdenken (und das ganze vielleicht einmal ausprobieren?).

Das Erste und die Quoten…

„Das Erste“ hat diese Tage einmal wieder deutlich gemacht, dass alles Gejammer der „bösen, geldgierigen Privaten“ über Wettbewerbsverzerrungen einfach nur zu 100% wahr ist. Warum?

Naja, „Das Erste“ hat wohl gemerkt, dass ihre originäre Zielgruppe gerade ausstirbt und man, wenn man ein paar 14-49 Jährige zum zugucken verlocken könnte doch noch die Werbeeinnahmen ein bisschen puschen könnte. Die 18€ im Monat kriegt man von denen ja sowieso… warum dann nicht auch mal eine Sendung die passend ist ins Programm nehmen. Also zeigte man Cukoo. Leider waren aber die Quoten schlecht, so hat man das ganze nach einer, ja genau, EINER, Folge wieder abgeblasen.

Da fragt man sich jetzt als 18€ zahlender Nicht-Kunde schon, warum jetzt die Quoten so wichtig sind. Insbesondere so wichtig, dass man dem ganzen Vorhaben ein jüngeres Publikum anzusprechen nach jahrzehntelanger Vernachlässigung desselben nicht eine etwas längere Anlaufzeit einräumt als nur eine Folge. Offensichtlich sind aber die Werbeeinnahmen so Kriegsentscheidend für den Vorstand, dass man sich das nicht leisten kann. (Von der Diskussion um ein vollständiges Werbeverbot weiß man natürlich, dass das nicht stimmt, da sie ~500 Millionen € in die Kasse spülen wohingegen die Gebühren ~8 Milliarden €, also 8000 Millionen € ausmachen, auf alle ÖR gesehen natürlich).

Sehr traurig… so eine extreme Quotenfixiertheit hat bisher nicht einmal ProSieben an den Tag gelegt. Selbst da gibt man Serien 3-4 Folgen Zeit um sie dann abzusetzen und auf den „Spartenkanälen“ verschwinden zu lassen.1 Bei 8 Milliarden € Umsatz im Jahr könnte auch locker ein deutsche HBO bei rumkommen (das Original hat einen Umsatz von 440 Millionen Dollar). Und was ist das Erfolgsrezept von HBO, mag man fragen? Mut. Den Mut große Produktionen zu starten und diese auch trotz schlechter Quoten laufen zu lassen.

Ist das ganze traurig… :-(

 

Fußnoten:

  1. Das ist ganz klar ein Argument mehr die ÖR völlig einzudampfen, ein Nachrichtensender mit Lokalfenstern. Das sollte für einen zweistelligen Millionenbetrag locker hinzubekommen sein. Damit wäre man dann bei ~ 1-3 € GEZ Gebühr pro Jahr und Haushalt. Die Restlichen ~210€, die dann an GEZ Gebühren in den Haushalten „frei werden“ könnten diese dann in ein entsprechendes PayTV Abo invetieren, was sie interessiert… den Musikantenstadl gibt es z.B. bei Sky schon ausreichend. Den Tatort wird auch irgendein anderer Sender gerne übernehmen (wobei es auch da vergleichbares schon gibt). []